| 1. Assoziationen |
Zukunft und Zeit gehören zusammen
Es gibt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Doch was heißt "es gibt"?
Das Wort Zukunft verbindet sich auch mit Begriffen wie "Hoffnung, Erwartung, Befürchtung, Sorgen, Sehnsucht "
Die Angst vor der Zukunft hat - wenn man richtig nachdenkt - gegenwärtig eine sehr reale Basis. Es ist vieles, das uns Sorgen machen müßte. Doch die meisten Menschen verdrängen diese möglichen Perspektiven von Umweltzerstörung, Bedrohung durch den Gegensatz von arm und reich in der Welt, wachsenden Terror usw. Sie "leben in den Tag hinein".
Gedanken über die Zukunft finden ihren Niederschlag in "Zukunftsforschung", "Zukunftsmodellen" |
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| 2. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft |
Diese "drei Zeiten" haben schon die größten Geister in Verwirrung gestürzt. Was ist Vergangenheit? Es gibt sie doch nicht wirklich. Vergangenheit ist das, was "einmal war". Es ist nicht mehr, es kommt nie mehr wieder, es ist jedoch geschehen und in diesem Sinne nicht mehr korrigierbar, veränderbar. Die Vergangenheit "steht unverrücklich fest".
Vergangenheit und Zukunft haben eines gemeinsam: sie existieren nur "im Geiste": als "Rückschau" oder "Vorschau", als "Erinnern" oder als "Vision".
Rückschau bzw. Erinnerung:
Die Ereignisse der Vergangenheit können vielleicht noch an ihren Ergebnissen (Bauwerken, Kunstwerken, Zerstörungen, Ruinen, ...) rekonstruiert werden. Doch was "damals" wirklich geschah, können uns nur Augenzeugen berichten oder wir erinnern uns selbst daran. Die Fähigkeit, sich erinnern zu können, ist eine äußerst wichtige Form menschlicher geistiger Aktivitäten, sie ist Basis des Lernens, der Identitätsfindung, der Stabilität im Leben.
Vorschau bzw. Vision, Wunsch, Plan:
Gegenüber der Fähigkeit des menschlichen Gehirns, sich erinnern zu können, ist die zweite geistige Aktivität unterbewertet:
die Fähigkeit, sich etwas (noch) nicht Existierendes vorstellen zu können:
Der Künstler "sieht" im Marmorblock bereits die fertige Plastik, der Komponist "hört" bereits die noch nie gespielte Melodie, der Erfinder sieht die Maschine bereits vor sich, die er bauen will. Menschen sehen ihr eigenes Leben oder das der Familie, der Menschheit "voraus". Sie können sich - und das ist das spannendste - dabei verschiedene mögliche Varianten vorstellen. Variieren und auswählen, das ist das, was "Optimierung" oder auch "Kreativität" genannt wird.
Diese Fähigkeit zur Optimierung, diese Kreativität ist die Basis für etwas, das man "Planung" nennt: die Auswahl einer bestimmten möglichen Zukunft und das zielgerichtete Hinarbeiten auf diese ausgewählte Version bzw. Vision. |
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| 3. Jegliches hat seine Zeit |
Eines der aus meiner Sicht schwierigsten Probleme im Zusammenhang mit der Gestaltung von Zukunft ist die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt bzw. Zeitraum: Wann ist was machbar und wann ist es nicht machbar?
Historische Prozesse haben ihre eigenen Gesetzlichenkeiten, die sich vor allem in den Zeiträumen, die diese Prozesse in Anspruch nehmen, zeigen. Nichts kann künstlich beschleunigt werden. Aber - und das ist das schöne an dieser Kehrseite - wenn etwas "reif" ist, kann es nicht lange aufgehalten werden. Geschichtliche Tendenzen setzen sich durch - es ist nur die Frage, wie sie es tun.
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Das beste Beispiel für eine Analyse solcher Tendenzen bietet aus meiner Sicht immer noch das "Manifest der Kommunistischen Partei" von Karl Marx und Friedrich Engels, in dem sie einerseits ein Hohelied auf die historischen Leistungen des Kapitalismus (der "Marktwirtschaft") und des Bürgertums singen: ihre unglaubliche Fähigkeit, die Produktivkräfte (also Technik, die hergestellten Produkte selbst, aber auch den Menschen und seine Fähigkeiten einschließlich seines Wissens) zu entwickeln und zu entfalten und sie zu einer nie dagewesenen Produktivität zu führen. Andererseits zeigen sie auch, daß auch diese Kräfte, diese Prozesse, dieses Entwicklungspotential an seine Grenzen stoßen wird und deshalb dem Kapitalismus eines Tages die Totenglocken läuten werden. In vielen Details dieser Analyse haben sie vielleicht geirrt, die Grundtendenz ihrer Erkenntnisse wird heute immer offensichtlicher: die Marktwirtschaft hat ihre Zeit gehabt, ihre Blütezeit ist vorbei, jetzt ist sie objektiv dem Untergang gewidmet. Dieser ist unvermeidlich. Alle heutigen Versuche, ihn künstlich zu verhindern, sind nur noch - im wahrsten Sinne des Wortes - Verschwendung an Geld und Zeit, an Kraft, an Rohstoffen, an Lebensmöglichkeit der Menschen. PUNKT!
Im Manifest heißt der alles entscheidende Satz:
"Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden, um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen."
Die Frage stellt sich nicht danach, ob diese "bürgerliche Gesellschaft" historisch überlebt ist und durch eine höhere Form der Organisation des Gemeinschaftslebens ersetzt werden muß, sondern wie dieser Übergang erfolgen kann und soll:
Muß er "chaotisch", kriegerisch, bürgerkriegsähnlich ablaufen und mit vielen Verlusten und Katastrophen erkauft werden, oder haben wir heute schon die Möglichkeit eines "fließenden Übergangs", eines sanften, friedlichen gesellschaftlichen Wandels? |
ausführlicher Textauszug aus dem Manifest - siehe Fremdtexte:
Marx + Engels |
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| 4. Zukunft in der Vergangenheit |
Jahrhunderte und Jahrtausende lang hat der Mensch wenig nachzudenken gehabt über die Zukunft: es blieb alles immer gleich. Wenn man Glück hatte, gab es keinen Krieg und keine Seuche, das Leben lief gleichförmig dahin, der Einzelne hatte keinen Einfluß auf zukünftige Lebensumstände. Man lebte in den Traditionen und Umständen der vorherigen Generation einfach weiter und nahm alles, wie es kam. Da man sowieso keinen Einfluß darauf hatte, lohnte sich das Grübeln nicht.
Die Weichen für die Zukunft stellten die Herrscher: weltliche und Kirchenfürsten, die Mächtigen eben.
Auch das hat sich geändert: heute kann man durchaus spürbaren Einfluß auf Zukunft nehmen, das ist der Vorteil einer schnell-lebigen Zeit. |
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