www.heitere-zukunft.de  - Startseite   » ABC Zukunft  »  Langeweile
15. 03. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
Ein Zukunftsmodell stellt sich vor - Gibt es eine denkbar-machbar beste Zukunft?
Einladung Inhalt Neues Allgemeines atomisierte Welt
Arbeit + Spiel Mensch - Sein Beziehungen Vererben+Lehren Freiheit + Moral Heiterkeit Weg + Ziel
Langeweile

Langeweile - das Gegenstück zur  Faulheit ?
Die Beziehungen zwischen Langeweile, Faulheit, Arbeit und Müßiggang


 Langeweilt sich ein fauler Mensch?
Oft werden beide  Begriffe in engem Zusammenhang gesehen. Doch der Mensch, der sich langweilt, hat einen Tätigkeitsdrang, ein Bedürfnis nach Anregung, Beschäftigung, Kommunikation. Dieser Drang ist dem faulen Menschen wohl abhanden gekommen. Man könnte also sagen: ein fauler Mensch kann sich langweilen, ein Mensch, der sich langweilt, muß deshalb nicht faul sein.

Bitte unterschätzen Sie die Langeweile nicht. Dieser Zustand ist für Zukunfts-Fragen außerordentlich wichtig (siehe unten: Das "Maschinengewehr Gottes"). Die Langeweile ist eine oft destruktive Kraft, die mitunter jedoch auch zu außerordentlicher Kreativität inspiriert ....

Langeweile und ihre vielen Seiten:

  1. Das Maschinengewehr Gottes - Billy Graham sieht in der Langeweile eine Gefahr für die USA
  2. Workaholic - die Angst vor der Langeweile
  3. Faulheit
  4. Die Hölle
  5. Vor lauter Langeweile - fällt manchem ganz schöner Blödsinn ein (der negative Aspekt der Langeweile)
6. Die Motivation und die Sinnsuche - Langeweile als Auslöser, sein Leben zu ändern (positiver Aspekt der Langeweile)
  7. Langweilige Arbeit
  8. Muße und Langeweile
1. Das Maschinen-Gewehr Gottes
Vor mehr als zehn Jahren geriet mir  bei Bekannten ein Buch dieses Mannes, dieses "Maschinengewehr Gottes" genannten Billy Graham, offenbar ein ziemlich aggressiver christlicher Missionar, in die Hände. Der Mann war mir damals völlig unbekannt, ich habe inzwischen auch nichts mehr von ihm gehört.  Billy Graham  erwähnte, daß ein Problem der USA, eines der Hauptprobleme der Zukunft, die Langeweile der Menschen sein wird. Er rechnete vor, wie viele Menschen bereits ohne regelmäßige Arbeit existieren, wie die steigende Produktivität der Arbeit dazu führen wird, daß immer weniger Menschen und immer kürzer Arbeit haben. Er  meinte, daß dieser Trend eine Riesengefahr für die USA sein werde: weil die Menschen, wenn sie weniger Arbeit haben, vor lauter Langeweile nicht mehr wissen, was sie tun werden. Das könnte zu Spannungen, Kriminalität, psychischen Problemen usw. führen.
Das erstaunlichste an dem Buch war, daß es im Jahr 1969 (?) herauskam. ...
Der Titel des Buches ist mir entfallen, ich erinnere mich nur, daß ich ein wenig darin blätterte und an der Stelle hängenblieb, wo er über Langeweile schrieb. Ich gebe hier meine Erinnerungen wieder, ggf. auftretende Ungenauigkeiten oder kleine Fehler bitte ich zu entschuldigen. Ich denke, daß ich nichts bewußt sinnentstelle und das Problem, auf das er aufmerksam machte, im wesentlichen richtig benenne.
 
2. Workaholic
Das sind die Leute, die aus Angst vor Langeweile ins Gegenteil verfallen und eine übertriebene  Arbeitswut, einen übertriebenen Tätigkeitsdrang an den Tag legen. Es ist eine Krankheit, eine  Sucht, so viel arbeiten zu wollen.
Die Behauptung, der Mensch sei "von Natur aus faul", wird  mit dieser Art von Problemen deutlich als Irrtum erkennbar: der Mensch hat von Natur aus einen rieisgen Tätigkeitsdrang. Gibt man diesem Tätigkeitsdrang nicht genug Spielraum, verkümmert die Seele des Menschen ..
 
3. Faulheit
Wann ist ein Mensch "faul"? Was ist Faulheit überhaupt? Es gibt Leute, die sind sehr fleißig beim Kampf um ein "Recht auf  Faulheit". Die Fetischisierung der Arbeit hat offenbar als Pendant diese Forderung nach Faulheit hervorgebracht.
Doch im eigentlichen Sinne "faul" ist ein Mensch, der - obwohl er es könnte - die Arbeit für seinen Lebensunterhalt andere verrichten läßt, der "auf Kosten anderer lebt".
Wenn jemand sagt: "Ich arbeite nur stundenweise, ich kann mit dem Geld auskommen. Doch ich möchte auch noch Freizeit haben, um zu studieren, zu malen, zu reisen, eben zu leben." kann man wohl schlecht von Faulheit reden. Dieser Mensch kennt das Wort "Langeweile" bestimmt nicht.
Einer der Lieblingsspüche meines Biologielehrers war: "Der Mensch ist von Natur aus faul." Es dauerte nicht lange, bis ich merkte, daß er sich irrte.      
 
4. Die Hölle
Hölle ist das Bild, das Symbol von etwas Furchtbarem, Leidvollem. Manche Menschen schätzen ein, daß "Langeweile die Hölle" istLangeweile ist also das unbefriedigte Bedürfnis nach Tätig-Sein.  In Psycho-Tests sollen Menschen, die man sozusagen "zwang", mehrere Tage "nichts" zu tun, fast verrückt geworden sein und gebettelt haben, endlich den Test zu beenden bzw. endlich wieder etwas tun zu dürfen.
 
5. Vor lauter Langeweile ...
.. fällt  manchem ganz schöner Blödsinn ein: da wird demoliert, provoziert und  andere geärgert, gegessen, Tag und Nacht der Fernseher laufen gelassen. Die Nachbarn werden bespitzelt und es wird über sie getratscht.  Die Langeweile kann viel Schaden anrichten...

Vor lauter Langeweile ist schon manche Ehe kaputt gegangen .. (Das ist ein zu weites Feld, es hier zu "beackern".)

Wenn der Mensch keine Möglichkeit hat, seinen angeborenen Tätigkeitsdrang auf sinnvolle, nützliche, zweckmäßige Art und Weise abzureagieren, kommt er auf sinnlose, unnütze bis schädliche, unzweckmäßige Formen, so einfach ist das.
 
 
6.Die Motivation und die Sinnsuche
Mitunter wird Langeweile auch zum Anlaß, eine Lebenssituation grundsätzlich zu ändern. Nur aus Langeweile ist jemand mit zum Ruderclub gegangen - und heute ist er selbst Trainer. Oder jemand hatte aus Langeweile die Muße zu lesen und hat dabei angefangen, sich für Geschichte zu interessieren - und heute ist der der Ortschronist, der in seiner Freizeit die Chronik weiter schreibt.
Mit anderen Worten, wenn die Langeweile unerträglich wird, kann sie sogar helfen, einen (neuen) Sinn im Leben zu finden.

Das Stichwort "Muße"  habe ich mit Absicht hier eingebaut. Langeweile bedeutet auch, daß man "freie Zeit" hat, die nicht schon vorher verplant ist, die für spontane Einfälle zur Verfügung steht. In der Langeweile kann man Spielräume für neue Aktivitäten erkunden, relaxen, "nach innen" sehen, meditieren, träumen - und entdeckt auch so völlig neue Seiten an sich.
 
7. Langweilige Arbeit
Eine langweilige Arbeit ist in meinen Augen  eine furchtbare Kombination: der Tätigkeitsdrang wird zwar befriedigt,  aber die Langeweile ist trotzdem nicht überwunden.   Für viele Menschen dürfte auch das "die Hölle" sein. Einen Ausweg in andere Arbeit gibt es nicht, die Aussicht, ein Leben lang beispielsweise Fenster putzen zu müssen, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, erzeugt bei vielen Frust.
Sicher gibt es auch heute noch viele Arbeiten, die einfach durch Monotonie (gleichförmige, sich in kurzen Phasen wiederholende völlig gleiche Aktivitäten) und Routine (der Handlungsablauf ist automatisiert, es sind keine geistigen Aktivitäten an die Handlung gekoppelt, es ist kein Wissen einzubringen, keine Entscheidung zu fällen - das Gehirn ist unterbeschäftigt) bestimmt sind. Wenn es sich dabei um nützliche Arbeiten handelt, kann der  Nutzeffekt sicher über inhaltliche Probleme hinwegtrösten.  Auch in Zukunft werden solche Arbeiten nicht vermeidbar sein. Zukunftsdiskussion muß also auch die Frage beantworten, wie langweilige Arbeit "gerecht" unter alle Gesellschaftsmitglieder verteilt werden kann.

Vorsicht! Die Vorstellung, langweilige Arbeit auf alle "gleich" zu verteilen, ist hochgradig "ungerecht"!!
Es gibt Menschen, die sind für solche langweiligen Arbeiten geradezu geschaffen, die machen langweilige Arbeiten am liebsten. Das Problem ist, daß diese Arbeiten oft schlecht bezahlt werden und derjenige deshalb gezwungen wird, sich eine nicht so langweilige Arbeit zu suchen.     
  Dieses Thema kann hier nur erwähnt werden, ausführlicher werde ich über alle mit der Arbeit zusammenhängende Fragen im Thema Arbeit und Spiel     schreiben.
 
8. Muße und Langweile
Bisher war es üblich, Muße und Arbeit gegenüberzustellen: auf der einen Seite mußte man für den Lebensunterhalt arbeiten, auf der anderen Seite blieb mehr oder weniger Zeit, etwas für sich selbst, für Geist und Seele zu tun. Während die einen schuften mußten, konnten andere sich dem Müßiggang hingeben. Das Wort geriet in Verruf, weil Müßiggang oft mit Faulheit gleichgesetzt und den Leuten unterstellt würde, sie täten vieles eben nur aus Langeweile. Doch das  Wort "Muße" meint etwas ganz anderes: etwas (geistig) sinnvolles tun, das "nur" (im Sinne von "ausschließlich") dem eigenen Vergnügen und der Selbstvervollkommnung dient: Kunstgenuß, gepflegte Konversation, aktive Ausübung geistig anspruchsvoller, kreativer Tätigkeiten, Wissensaneignung, auch Sport als Vergnügen und Körperertüchtigung zählen zu diesen  Bereichen des Müßigseins.  Wem keine Zeit bleibt für den Müßiggang, der verkümmert an  Körper, Geist und Seele. Müßiggang ist also eine ganz und gar nicht langweilige, passives Sache, sie kann sogar richtig anstrengend sein....

Zukunft planen heißt, Arbeit und Freizeit so zu verteilen, daß für jeden Menschen genug Zeit für Müßiggang bleibt....
siehe auch
"atomisierte Welt" » Arbeit und Leistung »
Märchen
nach oben
xx www.heitere-zukunft.de / Allgemeines / ABC Zukunft /Langeweile ,   Version  1c