| 1. Eine Liste der Berufs-Bezeichnungen |
Erstaulich viele Menschen mit den unterschiedlichsten Berufsbezeichnungen befassen sich mit Zukunftsvorhersagen. Sie unterscheiden sich nach den Themenbereichen, in denen sie sich bewegen und nach den Methoden, mit denen sie glauben, Aussagen über Zukunft machen zu können. Hier will ich einige dieser Berufsbezeichnungen zusammenstellen (natürlich, ohne Vollständigkeit garantieren zu können):
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- Propheten
- Prometheuse ( heißt wörtlich übersetzt "Vordenker"),
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Orakel wie das "Orakel von Delphi"
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Utopisten und Träumer
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Visionäre
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Zukunftsforscher
- Wahrsager
- Hellseher
- Astrologen
- Futurologen
- Physiker (die wollen auch die Zukunft vorhersagen, die erst recht)
- Schwarzmaler
- Ärzte
- Politiker
- Meteorologen und "Klimaforscher"
- Filmemacher und Journalisten
- seit neuesten auch sogenannte "Diätberater"
(die mit computer-animierten Bildchen Schrecken verbreiten: wie derjenige, den sie gerade beraten, in 20 oder 40 Jahren aussehen könnte - furchtbar!!) |
Scharlatane gehört nicht eigentlich in diese Liste, nur ist es Tatsache nicht zu übersehen, daß unter diesen "Zukunfts-Guckern" viele Scharlatane sind.
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Bei Wittenberg gab es einen solchen Futurologen, den Mathematik-Lehrer Michael Stifel: der hatte den Weltuntergang vorhergesagt
(zu jener Zeit
hieß das schon "berechnet"),
doch der kam nicht. Da wollten ihn die Leute lynchen. Luther konnte es gerade noch verhindern.
Auf diese kleine Episode geht übrigens das Lied zurück:
"Stifel muß sterben,
ist noch so jung, so jung, ...")
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| 2. Ein prima Geschäft |
Was wurde und wird nicht alles benutzt, die Zukunft schon im Voraus erkennen zu können:
Kaffeesatz, Sterne, Tarot-Karten, Eingeweide diverser Tierchen, Handlinien usw. Das Geschäft mit der Hoffnung blüht, besonders in risikoreichen Zeiten:
Alle diese Hellseher wissen, wann es zweckmäßig ist, Hoffnung zu machen oder das Gegenteil: Angst zu schüren. Je nachdem, was mehr Geld einbringt, wird wohl einmal das eine, einmal das andere Konjunktur haben.
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| 3. Die "sich selbst erfüllende Prophezeiung" |
Es gibt da eine hübsche Geschichte von einem Propheten, der den Menschen sagen mußte: "Wenn ihr so weitermacht, wie bisher, werdet ihr euch ruinieren, werdet ihr untergehen." Die Menschen hörten auf ihn, taten, was er ihnen riet - und die Prophezeiung erfüllte sich nicht. Da kamen die Menschen in Zweifel: da alles so gut ausgegangen war, stimmte die Prophezeiung wohl gar nicht und sie hätten so weitermachen können, wie bisher? Der Prophet bekam ein paar Probleme. Er begriff: besser ist es, wenn die Menschen nicht auf seine Prophezeiung hören: denn dann können sie erkennen, wie recht er hatte. Ist das nicht eine hübsche Logik?
Das andere Extrem ist die "sich selbst erfüllende Prophezeiung", eine recht seltsame Sache: wenn derjenige nicht gewußt hätte, was in der Prophezeiung steht, hätte er sich anders verhalten und dann wäre sie wohl gar nicht eingetreten. So geschehen beispielsweise bei Ödipus und seinen Eltern, auch "Dornröschen" wurde vielleicht ein solches Opfer: die Eltern glaubten, mit dem Spindel-Verbrennen alle denkbare Vorsorge getroffen zu haben - und wurden sorglos.
Eines bleibt bei diesen Geschichten zurück: das dumme Gefühl, einer vorherbestimmten Zukunft nicht ausweichen zu können. Schicksalsglaube und Fatalismus sind die Folgen. Sie sind sehr vorteilhaft für diejenigen, die nicht wollen, daß andere sich einmischen in ihr Geschäft, Zukunft zu bestimmen.
Heutzutage sind solche "Voraussagen" ebenfalls sehr beliebt: sage voraus, daß die FDP auf 18 Prozent Wählergunst kommen wird und sie wird es schaffen (gerade jetzt, Anfang des Superwahljahres 2009 eine sehr schön zu beobachtende Taktik: Wählerumfragen steuern Wählermeinungen), sage voraus, daß irgendetwas knapp wird - und wenn es schwarze Schuhcreme ist - es wird knapp werden, weil die Leute hamster-kaufen. |
Ödipus Eltern wurde geweissagt, er werde seinen Vater töten, seine Mutter heiraten. Deshalb wurde er ausgesetzt - so wußter er nicht, wer sein Vater und seine Mutter waren und
"das Schicksal nahm seinen Lauf". |
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| 4. Meine Begegnung mit einem "nachdenklichen Vordenker" - zwischen Katastrophe und Gedanken-losigkeit |
Auf einer Veranstaltung der "Gesellschaft zur Förderung des christlich-marxistischen Dialogs" war er als Gastreferent anwesend. (März 1996) Dieser Philosphie-Professor (Anhänger des dialektischen und historischen Materialismus) nannte sich selbst einen "nachdenklichen Vordenker" und er jammerte, daß es erst zur Katastrophe kommen müsse, ehe die Menschen schlau würden und dafür sorgen würden, daß die Zukunft besser wird. Dann sagte er noch, daß er sich mitunter fühle wie ein Hamster im Laufrad: auch wenn er noch so viel tue, er sähe keine echte Wirkung. Er (der Vordenker!) wüßte nicht, wie man in der gegenwärtigen Situation noch Einfluß auf eine bessere Zukunft nehmen könne, er hatte keine brauchbaren Gedanken mehr.
An diesem Tag begriff ich, daß es nichts bringt, "Vordenkern" und anderen Hellsehern zu vertrauen - denn die Scharlatane erkennt man leider meist erst hinterher, wenn es womöglich zu spät ist.
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Ich geben die Begegnung mit ihm frei aus dem Gedächtnis wieder und möchte darauf aufmerksam machen, daß "Vordenker" auf griechisch "Prometheus" heißt - seitdem heißen diese kleinen Vordenker-Typen bei mir "Prometheuseriche".
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Ich erkläre hier mit aller Entschiedenheit:
Selbst ernannte Propheten und "Vordenker",
die ein Katastrophe brauchen
auf dem Weg in die Zukunft,
die glauben,
daß nur Not und Angst Menschen dazu bewegen kann,
gemeinsam für eine bessere Zukunft einzutreten,
verdienen Redeverbot.
Sie halten die Menschen nur davon ab,
katastrophenfreie Lösungsmöglichkeiten zu suchen!
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| 5. Kassandras und Laokoons Problem |
Berühmte Hellseher bzw. Wahrsager der Geschichte und Mythologie gibt es viele. Besonders bekannt sind diese beiden:
Kassandra:
Die Tochter des trojanischen Königs Priamos und der Hekabe hatte vom Gott Apoll die Gabe der Weissagung bekommen. Doch da sie ihn nicht erhörte, bestrafte er sie, indem er ihr die Gabe, die Menschen von ihren Prophezeiungen zu überzeugen, versagte. Daher wurde ihre Voraussage des Untergangs von Troja nicht geglaubt. Daher heißen vergebliche Warnrufe bis heute "Kassandra-Rufe". Ihr "verkanntes Sehertum" hat viele Künstler angeregt, sich mit ihrem Schicksal zu befassen. Damals glaubte man wohl auch noch, daß die Propheten die Zukunft mit ihren Sprüchen geradezu herbeireden (s. o. - die sich selbst erfüllende Prophezeiung). Deshalb konnte es gefährlich werden, eine solche Gabe zu haben. Vielleicht kam auch deshalb das Verschlüsseln der Botschaft in Mode.
Laokoon: Er war zu dieser Zeit Priester des Apoll, warnte die Bewohner Trojas ebenfalls vor dem "Trojanischen Pferd". Da man auch bei ihm unschlüssig war, ob man ihm glauben könne, mußte er dem Meergott Poseidon ein Opfer bringen, wobei dieser ihn und seine zwei Söhne durch Schlangen töten lies. Bekannt ist die lebensgroße Figurengruppe aus dem 1. Jh. n. Chr., die diese Szene darstellt. Poseidon wollte Troja in den Untergang treiben, doch der Tod des Laokoon wurde von den Trojanern in der Weise interpretiert, daß Poseidon ihn für seine Lüge bestrafen wollte.
Das ist das größte Problem mit der Hellseherei:
Die Frage der Glaubwürdigkeit und der Interpreation einer Weissagung.
Auch sind Orakel und Prophezeiungen im allgemeinen sowieso mehrdeutig oder dunkel, so daß es schwer wird, sie zu interpretieren. (Erinnert sei auch an die ganze Sensationsmache um Nostradamus und seine verschlüsselten und vieldeutigen Voraussagen.)
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die Informationen sind aus der BDE , siehe Quellen |
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