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15. 03. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
Ein Zukunftsmodell stellt sich vor - Gibt es eine denkbar-machbar beste Zukunft?
Einladung Inhalt Neues Allgemeines atomisierte Welt
Arbeit + Spiel Mensch - Sein Beziehungen Vererben+Lehren Freiheit + Moral Heiterkeit Weg + Ziel
Fehler
 

Fehler sind da, um gemacht zu werden
Über den Sinn und den Nutzen von Fehlern und einen heiteren Umgang mit ihnen

"Trial and error" - Versuch und Irrtum  - das große Lern- und Kreativitätsprinzip des Lebens.
Wenn man dieses "trial and error" als Lebensprinzip bzw. Evolutionsprinzip erkennt, erhalten viele heute üblichen moralischen Kriterien einen anderen Sinn, muß vieles an bisherigen Morallehren neu durchdacht werden. Vor allem wird sich zeigen, daß ein heiterer  (meint die Steigerung zu "heiter" - "heiterer" - aber gibt es das Wort "heitererer"?) Umgang mit Fehlern das Leben wesentlich leichter und angenehmer macht.

Hier erste Gedanken über

  1. Fehler - Irrtum - Sünde?
  2. "Dumm gelaufen" - "alles wird gut"
  3. Fehlerdiskussionen
4. Zitate, Sprüche, Meinungen, kleine Episoden
  5. Trial and error - Versuch und Irrtum
  6. Das richtige und das falsche Handeln im falschen und richtigen System 
1. Fehler - Irrtum - Sünde - Verbrechen ?
Fehler, Sünde, Irrtum - oberflächlich könnte man denken, alle drei Worte meinen das gleiche.  Wir leben in einer "Leistungsgesellschaft": in ihr wird belohnt, wer wenig oder keine Fehler macht, und bestraft, wer Fehler macht.
Egal ob in der Kirche oder in der Schule, beide Systeme funktionieren da deckungsgleich: in der einen Einrichtung hat man "gesündigt" und muß "Buße tun", in der anderen bekommt man schlechte Zensuren und ggf. Strafarbeiten auf. Der Schüler, der alles "richtig" gemacht hat, bekommt "gute Noten" und wird gelobt.

Auch die Gesellschaft insgesamt ist nicht nachsichtig mit ihren Sündern oder Fehlermachern, die hier gern "Verbrecher" genannt werden.

Wieso steckt auch in dem Wort Gesundheit der "Sünder"?
       GE – SÜND – ER
Ist gemeint, daß Gesundheit nur zu haben ist, wenn man nicht immer fehlerfrei  bzw. nach Vorschrift der Ernährungswissenschaftler handelt?

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Leistungsdruck und Fehlern, es gibt einen zwischen Leistungsdruck und Störanfälligkeit. Eine Störung ist ein Fehler, eine Fehlfunktion eines technischen oder biologischen Systems. Störanfälligkeit ist die potentielle Störung, der potentielle, latent drohende, immer mögliche Fehler.
Störungen sind unwillkommen, durchbrechen Rhythmus, Gewohnheit, Planung.  Manchmal sind sie dem einen oder anderen sehr willkommen, mitunter führen sie zum Innehalten, Nachdenken und sogar zur Suche nach neuen Lösungen. Es hat alles zwei Seiten, auch deshalb sollte man nicht so "verbissen" reagieren auf Störungen oder auf Fehler (der anderen):
Heitere Gelassenheit ist ein gutes Hilfsmittel im Umgang mit diesen ganz normalen Ereignissen Störung und Fehler.
An anderer Stelle wird gelegentlich auf eine ganz besondere Störungen und ihren Sinn einzugehen sein:  auf die „Harmoniestörung" und den Gegensatz zwischen Leistung und Harmonie.
 
2. "Dumm gelaufen"  und "alles wird gut"
Man hat etwas vor, man führt es aus - und dann zeigt sich, daß das erwartete Ergebnis nicht eingetreten ist. Dann hat man "den Schaden" und gleich noch - wie das Sprichwort so schön weiß - den Spott dazu:
"Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen."

Das klingt zwar heiter, kann aber manchmal ganz schön bitter sein.
Bitter ist es auch, wenn man einen guten Ratschlag hat, wie etwas richtig gemacht werden kann, und dieser Ratschlag wird ignoriert. Auch dann dürfte die Schadenfreude hier und da nicht lange auf sich warten lassen.

Wichtiger ist jedoch, daß man "hinterher klüger ist".
Dumme Menschen manchen immer wieder den gleichen Fehler, intelligente Menschen machen immer neue Fehler.

Manch einer lernt durch eigene Erfahrungen (sprich: auch durch die eigenen Fehler), manch einer kann aus Büchern lernen (aus den Erfahrungen und Fehlern der anderen), manch einer lernt durch eigenes Nachdenken (vorbeugende Fehlervermeidung). Die Nachahmung soll eine erprobte Methode des Lernens sein.

Verallgemeinert man diese Vorgänge, kann man durchaus eine Tendenz in der Entwicklung des Menschen, des Lebens, vielleicht sogar des Kosmos (der Materie) insgesamt erkennen: wir, das Leben, die Welt wird immer klüger, macht also immer weniger Fehler bzw. immer "feinere" Fehler. Die Fehler durchlaufen auch eine Entwicklung von grob-primitiv bis intellektuell-kreativ. Manche Fehler setzen geradezu höhere Intelligenz voraus.
Das kann man auch so ausdrücken:
Materie erlebt einen Prozeß der
Informationsmaximierung und Handlungsoptimierung.

In der Formulierung "Alles wird gut." schwingt diese Erkenntnis mit:

Auf der Ebene des menschlichen Willens und der Freiheit bedeutet das, auch die Freiheit und gleichzeitig die Einschränkung des Handelns durch zunehmend erfolgreiche Zielorientierung nehmen zu. Das meint zum Beispiel: wenn ich den Weg genau kenne, gehe ich nicht mehr den falschen Weg: mein Ziel hat meine Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt auf den effektivsten bzw. kürzesten Weg.  Kenne ich den Weg zu meinem Ziel nicht, muß ich  ihn suchen (siehe  auch 5. "Trial and error")

Manchmal jedoch ist "der Weg das Ziel": bei einem Spaziergang, einer Wanderung, dann kommt es nicht darauf an, den kürzesten oder effektivsten Weg zu gehen, sondern nur darauf, sich überhaupt zu bewegen.  Dann sammelt man wohl Erfahrungen ohne Fehler zu machen. Ist es nicht eigenartig, zu welchen Assoziationen das einfache Wort "Fehler "einlädt? Hier noch mehr davon:
3. Fehler-Diskussion
Fehler und "fehlen"
Fehler und "fehlen" hängen - so scheint es - eng zusammen.  Wer einen Fehler macht, hat "gefehlt". Wo etwas "fehlt", liegt da auch immer ein "Fehler" vor?
Schon wieder muß ich Jesus  erwähnen, der meinte, daß der Stein, den die Bauleute verworfen haben (wohl, weil der in ihren Augen einen Fehler hatte), zum "Eckstein" werden könne, zum tragenden Stein, zum wichtigen Stein.
Der Fehler könnte durchaus im Auge des Betrachters liegen, also eine subjektive Meinung sein.   So meinte Jean Paul auf die Frage, wie die Pariserinnen seien, daß sie zwar sehr schön, aber leider (!) auch sehr tugendhaft seien.
Was dem einen als Fehler oder Sünde erscheint, ist für den anderen vielleicht höchstes Glück und Gottesgeschenk.

"Du fehlst mir!"  Wenn mir etwas oder jemand fehlt, dann vermisse ich es oder ihn, ich "leide Mangel".
In der DDR gab es eine Zeitlang einen schönen Spruch: "Keine Fehler-Diskussion!"  Er kam immer dann zur Anwendung, wenn jemand auf irgendeinen Mangel hinwies: sei es, daß Rohstoffe im Betrieb fehlten und daran hinderten, den Plan zu erfüllen. Oder der Vorgesetzte hatte etwas falsch gemacht und wollte verhindern, daß die Kollegen darüber redeten.

Eine Zeitlang schmückten sich die vornehmen Frauen mit künstlichen Hautirritationen, "Schönheitspflästerchen" genannt: der vorgetäuschte Fehler sollte den Rest der Haut durch den Kontrast besonders schön erstrahlen lassen.

Handarbeiten, handgefertigte Gegenstände, haben oft eine unregelmäßige Struktur, kleine "Fehler" inbegriffen. Dadurch wirken sie nicht so langweilig  wie die ebenmäßigen industriell hergestellten Produkte.  Sie haben oft einen ganz besonderen Liebreiz
Das führte mich zu der Erkenntnis, daß ein "vollkommener" (perfekter) Gegenstand oder ein "vollkommener Mensch" nicht geliebt werden kann - ihm fehlt dieser "Lieb-Reiz".

Das Duden-Herkunftswörterbuch verrät, daß "fehlen" von "ein Ziel verfehlen" herrührt. Etwas verfehlen, etwas falsch machen, kann man also nur, wenn man zuvor ein Ziel gehabt hat: man kann den richtigen Weg  verfehlen(z. B. die richtige Autobahnabfahrt), den Abschluß einer Ausbildung, sein Lebensziel.
So komisch es klingt: wer kein Ziel hat,  kann auch nichts falsch machen. Oder, wieder hat der Volksmund einen wunderhübschen Ausdruck gefunden:
"(Nur) wer nichts macht, macht nichts verkehrt."
Man kann es auch anders interpretieren, die Doppeldeutigkeit ist sehr hübsch:
Wer "nichts" macht, macht auch das noch, das "Nichts", verkehrt. Nichtstun ist also das Verkehrteste. "Frisch gewagt ist halb gewonnen." - "Hilf dir selbst, so hilft dir Gott."

falsch und richtig
Diese formal-logische Gegenüberstellung von scheinbar Gegensätzlichem schränkt letztendlich Erkenntnis ein.  Denn es gibt auch "Teilwahrheiten": in denen mischen sich also richtige und nicht richtige (wohl meist nur oberflächliche) Einsichten.  Wenn man diese - da sie auch fehlerhaftes enthalten - ablehnt, bringt man sich um die darin enthaltenen wahren Erkenntnisse.

Ein Beispiel für die Grenzen der formalen Gegenüberstellung findet sich in folgendem Beispiel:
Den Adoptiveltern werden oft die „richtigen Eltern“ gegenüber gestellt, das suggeriert, sie seien die "falschen Eltern". Oft hört man, daß Kinder ihre „richtigen“ Eltern suchen, wenn sie hören, daß ihre sozialen Eltern nicht ihre biologischen sind.
Was ist hier richtig und was ist falsch ? Es ist unsere  Vorstellung, daß der Begriff der "Eltern" von einigen nur an die biologische Abstammung gekoppelt wird und  von anderen die soziale Elternschaft nicht als minderwertig (oder "falsch") angesehen wird.
Dieses Beispiel ist aus meiner Sicht  interessant, da ja eine meiner Thesen der heiteren Zukunft sich mit dem "Vererben und Lehren", der Weitergabe des Wissens  an die nächste Generation, befaßt und dabei betont, daß die "soziale Elternschaft" zukünftig wesentlich an Bedeutung gewinnen wird.
Ich habe dazu ein Unter-Thema "Das Josef-Prinzip" in  Vorbereitung: Josef war mit hoher Wahrscheinlichkeit der  Stiefvater  und nicht der biologische Vater Jesus, egal, ob man dabei an die Gottesvaterschaft oder die Behauptung denkt, ein römischer Besatzungssoldat sei der biologische Vater von Jesus gewesen.  Die Bibel selbst betont, daß Josef Maria verlassen wollte, als er von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Josef nun ist für mich zum Inbegriff der "sozialen Vaterschaft" geworden - und das ist eine ganz besondere und keine "falsche" Vaterschaft!
 
4. Zitate, Sprüche, Meinungen, ...

Eine falsche Ansicht zu widerrufen  erfordert mehr Charakter als sie zu verteidigen.
Arthur Schopenhauer, Philosoph

Wer noch nie eine Sünde begangen hat, der werfe den ersten Stein.
Jesus an die Leute, die die Ehebrecherin steinigen wollten.

Erinnert sei an das "Unfehlbarkeits-Dogma": der Papst als Stellvertreter Gottes ist "unfehlbar".  Der dürfte also die Ehebrecherin steinigen?

Goethe
Wer sich eines Irrtums schämt, sträubt sich, ihn zu erkennen und zuzugeben, er sträubt sich also vor einem besten innerlichen Gewinn.

Und hier noch ein hübsches Erlebnis.
Mein Sohn Andreas und seine Freunde Hannes und Anne unterhalten sich im zarten Alter von  9 Jahren darüber, was der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist.
Sie kommen auf u.a.  darauf, daß der Mensch kein Fell und keinen Schwanz hat,  dafür aber sprechen, malen und Klavier spielen und sogar rechnen könne.
Ich frage: Und  wie ist es mit Fragen beantworten, z.B. wieviel ist drei mal drei?
Andreas: Neun
Hannes: Null
Andreas: Das ist falsch !
Hannes: Nein, das war ein Scherz!

 
 
5. Trial and Error
Einmal vor Jahren fand ich "trial and error" übersetzt mit   „Versuch und Fehler“ . Das machte mich stutzig, denn ich kannte es nur in der Version „Versuch und Irrtum". Natürlich ergab sich sofort die Frage:
Was ist der Unterschied zwischen einem Fehler und einem Irrtum? Und was ist der Unterschied zwischen einer Versuchung und einem Versuch?

"Und führe uns nicht in Versuchung" heißt es im "Vaterunser", dem wichtigsten Gebet der Christen. Zwar gilt der Teufel als der "große Versucher", doch hier wird Gott angesprochen, den Menschen die Versuchung als Gefahr zu ersparen.

Bereits, wenn man einem Kleinkind zusieht, wird sehr deutlich, daß die Menschen dieses "Versuch und Irrtum"  benötigen für ihre Entwicklung: immer wieder probiert es aus, wie die Bausteine sich stapeln lassen, wie ein Ball zu werfen und zu fangen ist - bis es gelernt hat, was es können möchte.

In "Versuch und Irrtum" sammeln wir unsere Erfahrungen und lernen wir. Der Irrtum gehört also zum Lernen und zur Kreativität des Menschen schlechthin, das Risiko des Versuches (etwas Neues ausprobieren) gehört ebenfalls zum Lernen, zur Entwicklung und Vervollkommnung des Menschen. Es verbieten oder bestrafen zu wollen, wenn ein Versuch (ein "Experiment", ein Test, eine Probe) mißlingt, ein Irrtum erkannt wird, ist so ziemlich das dümmste, was Menschen sich je ausgedacht haben. Warum machen sie es also?

Wer also die Entfaltung des Menschen in einem Zukunftskonzept in den Mittelpunkt stellen möchte, muß die alte Haltung zu Fehlern und Irrtümern "in Frage stellen", ihren Sinn hinterfragen und ein neues Angebot machen, wie in dieser Zukunft mit Fehlern und Irrtümern zu verfahren ist. Oberste Forderung wäre, daß Menschen nicht bestraft werden dürfen für Irrtümer.

"Dummheit schützt vor Strafe nicht." gehört  in diesem Sinne der Vergangenheit an.
 
6. Das richtige und falsche Handeln im falschen und richtigen System
Weitere Überlegungen befassen sich mit folgenden Aussagen:

Es gibt kein richtiges Handeln in einem falschen System.  (1)
und deren Umkehrung:
Es gibt kein falsches Handeln in einem richtigen System. (2)

Ich benötige noch etwas Zeit, diese Texte fertig zu stellen. Nur soviel sei zum Satz (2) bereits verraten: ein „richtiges System“  ist ein „zielorientiertes System“.
Wo ein Ziel ist, ist in aller Dynamik eine „Stabilität" des Weges zu erkennen: jede Abweichung vom Weg, die nicht zum Ziel führt, wird dank des Zieles wieder korrigiert, der Fehler verringert, damit erreicht das System schnell und effektiv wieder die „richtige“ Bahn. In diesem Sinne hat ein zielorientiertes System die Fähigkeit zur selbständigen, inneren Fehlerkorrektur - ganz ohne äußere Kontrollen, Vorschriften, Morallehren ...

Das alles hat natürlich außerordentlich viel mit Planung im allgemeinen und Zukunftskonzepten im besonderen zu tun.
 
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