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15. 03. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
Ein Zukunftsmodell stellt sich vor - Gibt es eine denkbar-machbar beste Zukunft?
Einladung Inhalt Neues Allgemeines atomisierte Welt
Arbeit + Spiel Mensch - Sein Beziehungen Vererben+Lehren Freiheit + Moral Heiterkeit Weg + Ziel
Beziehung
 

Beziehung
Die alles entscheidende Frage der Zukunft

 "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."
Jesus

"Aber das menschliche Wesen ist ... 
das ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse."
Karl Marx*
Der Mensch ist das Produkt seiner  Beziehungen: Hat er gute, schlechte oder keine Lehrer und Vorbilder, hat er Freunde und Familie oder lebt er allein - das bestimmt die Qualität seines Lebens stärker als materieller Besitz.  Somit wird die  Gestaltung von Beziehungen der  Schwerpunkt der Zukunftsgestaltung sein und nichts anderes.

Deshalb habe ich dieser Frage ein Extra-Thema gewidmet - "Beziehungen und Gemeinschaft"- , das ich unter die These gestellt habe:

Der Beziehungsreichtum des Menschen ist der größte Reichtum, den es gibt. Dieser Reichtum ist nicht nur für den einzelnen das wichtigste, sondern macht den Reichtum einer Gesellschaft aus: eine Gesellschaft ist um so reicher, je freier, befriedigender, glücklicher, persönlichkeitsfördernder und gemeinschaftsstärkender diese Beziehungen sind.*


Allgemeine   "Beziehungs-Fragen"  sollen hier im  "ABC Zukunft" zur Diskussion gestellt werden:

 
  1. Beziehungen in ihrer Vielfalt
  2. Beziehungsreichtum
  3. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst
  4. Was ist Liebe?
  5. Liebe und Haß
  6. Gleichgültigkeit und Einsamkeit
7. Eheleben fördert Einsamkeit
  8. einsame Menschen - unglückliche Menschen
  9. Gruppenleben fördern
* Diese Erkenntnis geht auf das von Marx und Engels in der "Deutschen Ideologie" entwickelte Zukunftskonzept zurück. Das "Basiszitat" ist zu finden in den Fremdtexten auf der Seite 
1. Beziehungen in ihrer Vielfalt
Beziehungen kann man unter verschiedenen Aspekten betrachten:
- nach den verschiedenen Bereichen, in denen wir sie eingehen: familiäre, territoriale, durch Bildung und Arbeit bedingte ebenso wie z. B. die durch Kaufen, Sporttreiben oder Gesundheitspflege sich ergebenden;
- nach dem Freiheitsgrad, mit dem ich sie wählen kann: notwendige bzw. zwanghafte oder freiwillig eingegange Beziehungen;
- und nach der Art und Weise, der Qualität dieser Beziehungen: liebevolle, enge, gleichberechtigte Beziehungen oder hierarchische, ungleichberechtigte, von Gewalt, Macht, Haß usw. geprägte Beziehungen, Beziehungen in denen der Mensch glücklich ist und sein Potential ausleben kann oder in denen er unglücklich und unbefriedigt ist.

Doch wenn hier von Beziehungen die Rede ist, dann sind nicht nur die "zwischenmenschlichen Beziehungen" gemeint, sondern Beziehungen im weitesten Sinne: zur Natur, zur Umwelt, zur Erde, religiöse und spirituelle Beziehungen zu einem göttlichen Wesen oder zur kosmischen Einheit usw.
Damit sind auch die Beziehungen des Menschen zu sich selbst gemeint: Selbstliebe, Selbstachtung, Akeptanz der eigenen Unvollkommenheit und Individualität usw.
 
2. Beziehungs-Reichtum
Es lohnt, einmal  zu assoziieren, was sich alles mit dem "Beziehung" verbinden läßt:

Robinson wurde auf seiner Insel fast verrückt vor Einsamkeit. Menschen, die man besonders strafen will, schließt man aus Gemeinschaften aus, sperrt sie in Einzelhaft, verweigert ihnen Aufmerksamkeit.  Wie es sich zeigt, sind Menschen selbst in einer unglücklichen Beziehung zu einem anderen Menschen glücklicher als in völliger Einsamkeit.
Dieses Einsperren in Gefängnissen, auch Strafversetzungen beim Militär, Zwangsumsiedlungen, Deportationen, Vertreibungen haben letztendlich eines zum Ziel und zur Folge: bestehende Beziehungen zu zerstören.
Auch der zwangsweise Umzug von Hartz-IV-Betroffenen in kleinere Wohnungen (der nebenbei auch die Endgültigkeit des erreichten sozialen Zustandes symbolisiert) wirkt in letzter Konsequenz beziehungszerstörend.

Die Entwicklung eines Menschen ist ohne die Hilfe anderer (Lehrer, Eltern, Freunde, ...) nicht denkbar. Ohne Sozialkontakte sind wir "nicht wir selbst". Unsere Beziehungen  zu anderen Menschen prägen wesentlich unser Leben. Das fängt in der Ehe und Familie an. Mit anderen Worten: der eigentliche Reichtum eines Menschen ist sein Beziehungsreichtum.

Viele versuchen, sich Beziehungen mit Hilfe von Geld zu kaufen. Schon das Märchen vom "Feuerzeug" zeigt, was dabei passiert: man kauft sich "falsche Freunde", die einen verlassen, wenn man in Not gerät. 

Selbstverwirklichung und Beziehungen:
Das meiste, was zur Selbstvervollkommnung, zur Entfaltung der in einem Menschen schlummernden Kräfte und Möglichkeiten benötigt wird, ist nur durch und in Beziehungen zu anderen Menschen erreichbar: ein guter Sportler werde ich nur, wenn ich einen guten Trainer und ggf. eine Mannschaft habe, mit der ich diesen Sport ausüben kann. Als Künstler kann ich mich besser entfalten, wenn ich die Kunst anderer Menschen, z. B. aus früheren Zeiten, studiere.  Lesen ist in ganz besonderer Weise reichhaltige Beziehung: ich kann die Gedanken anderer Menschen erfahren, selbst wenn diese bereits gestorben sind: lesen ist also auch und vor allem mögliche Beziehungserweiterung.
Deshalb kann man mit Fug und Recht sagen, daß sich der Reichtum eines Menschen aus seinem Beziehungsreichtum ergibt.

Die zweite Seite dieses Reichtums wird i. a. unterschätzt. Bisher ging es nur um das Nehmen von anderen. Doch wie beglückend ist das Geben: wenn ich mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben kann, wenn ich anderen helfen, ihnen Gutes tun, ihnen eine Freude bereiten kann.
Mir geht es z. B. so: wenn ich jemandem helfen konnte - und wenn es nur war, daß er nach dem Weg fragte - fühle ich mich hinterher gleich besser.

Deshalb lohnt es sich durchaus, seine Beziehungen einmal "durchzuchecken": was bekomme ich an Beziehungs-Reichtum von anderen, was kann ich anderen geben - wie glücklich machen mich meine Beziehungen, was muß ich verändern, damit ich und andere glücklicher werden?
In diesem Sinne ist  z. B. die Erfahrung zu verstehen, daß man sich selbst ändern muß, wenn man eine Beziehung verändern will.
Vor Jahren fragte ich meinen damals etwa 10jährigen Sohn, ob es gut sei, daß wir eine Katze haben. "Natürlich", meinte er. "Und warum ist es gut?" - Er darauf: "Weil ich sie brauche." - "Wozu brauchst du denn die Katze?" fragte ich ihn. Seine Antwort machte mich sprachlos:
"Ich brauche sie zum Liebhaben."

So einfach ist es in den Augen eines Kindes.
3. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

Dieser Ausspruch von Jesus hat es in sich: denn zuerst sagt er: liebe dich selbst! Erst ein Mensch, der sich selbst liebt, sich selbst annehmen kann, sich mit seinen Schwächen und Fehlern akzeptieren und lieben kann, kann auch andere Menschen lieben. Wer sich selbst nicht liebt, kann andere nicht lieben. Er sucht dann vielleicht jemanden, der ihn lieben kann.

Was heute angerichtet wird mit Reichtums- , Schönheits- , Schlankheits- und Jugendwahn zielt genau darauf ab: die  Selbstliebe zu verhindern, damit Menschen nicht mehr in der Lage sind, die wichtigste aller Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen: die Beziehung der Liebe.
Aus dieser Sicht   ist beispielsweise der Schlankheitswahn  eine Form von Beziehungsstörung.

Was ist mit "Nächstenliebe" gemeint? Auf keinen Fall bedeutet das, sich selbst aufzugeben und nur noch für andere zu leben!!!! Auch die Menschen, die so "selbstlos" leben, haben eine gestörte Beziehung zu sich selbst, sind ihr  Selbst "los".  Selbstlosigkeit ist die Perversion der Nächstenliebe.

Die Sucht nach Anerkennung und der Wunsch, geliebt zu werden, treibt sie dazu, ständig für ander da sein zu wollen. Es scheint, als wäre dies eine eher bei Frauen auftretende Art von Beziehungsstörung. Doch aus meiner Sicht ist das Leistungs-, Karriere- und Besitz-Streben vieler Männer  ganz analog der Wunsch und die Bitte um Anerkennung und vor allem um Liebe! (siehe auch 4.)

Nächstenliebe läßt sich in einem kleinen Spruch veranschaulichen:

Geteiltes Leid ist halbes Leid,
geteilte Freude ist doppelte Freude.
 
4. Was ist "Liebe" ?
Kein Wort wird so vieldeutig benutzt, verfälscht,  mißverstanden wie das Wort Liebe.
Für mich bedeutet Liebe immer und ausschließlich: daß mir etwas anderes, egal ob Kind, Partner, die Umwelt, meine Heimat, ein Kunstwerk, die Arbeit, so sehr am Herzen liegt, daß ich "ihm oder ihr zuliebe"  vieles tun würde, damit es ihm oder ihr gut geht.     Diese Aufwendungen haben nichts mit Opfer zu tun und sie können auch nicht "verrechnet" werden, daß man eine "Gegenleistung" verlangt: Wenn ich das tue, was ich aus Liebe tue, dann deshalb, damit ich mich wohlfühle - der egoistische Aspekt der Liebe. Ich bin glücklich, etwas tun zu können für jemanden  oder etwas anderes außerhalb von mir.

Oft erlebt man, daß Kinder - meist von den Vätern - Liebe sozusagen als "Belohnung" für Leistung oder Wohlverhalten bekommen. Drohung mit Liebesentzug bei Fehlern ist nach wie vor üblich.  Das führt dann oft zu dieser (siehe 3.) Sucht nach Anerkennung: der Mensch verhält sich nicht frei, sondern unter äußerem Zwang. "Liebe", die nach Leistung vergeben wird, ist also eine subtile Form der Freiheitsberaubung.

Oft erlebt man gerade bei Müttern, daß sie ihre Sorgenkinder mehr lieben als diejenigen, die keine Probleme machen. Es ist eine Kunst, die Liebe so zu geben, wie sie der andere benötigt. Dazu gehört auch die Kraft, anzuerkennen, wenn der andere diese Liebe, diese Zuwendung nicht braucht oder nicht haben will.
Hier hat Hans-Christian Andersen mit seinem Märchen von der Seejungfrau, die liebt und alles dafür gibt, ohne Gegenliebe zu erhalten, eine anrührende Darstellung gefunden.
  
Wer Liebe geben will und dabei aufrechnet, was er "zurückbekommt", liebt nicht, sondern macht ein Geschäft, er macht einen Handel: Gibst du mir, so geb ich dir: actio = reactio,
Ware und Preis  

Man kann es auch noch anders sehen: die einen "reflektieren" nur die Liebe wie eine Körperoberfläche das auf sie treffende Licht: erhalten sie keine Liebe, geben sie auch keine.
Die anderen geben Liebe wie eine Lichtquelle Licht spendet:
die fragt auch nicht danach, ob sie Licht "zurückbekommt".
5. Liebe und Haß
Oft werden diese beiden Begriffe in Beziehung gebracht als die beiden Pole der Empfindungsfähigkeit: Wenn ich jemanden oder etwas hasse, tue ich vieles, um diesem Menschen oder dieser Sache zu schaden oder ihn bzw. es zu zerstören.

Wenn "Liebe in Haß umschlägt" - dann war es einfach keine Liebe: Wenn ich meine Heimat liebe, mein Vaterland, dann kann niemand von mir verlangen, es zu hassen, nur weil dieses Land zum Auslöser von Unglück für andere Völker wurde. Dann muß ich es erst recht lieben.

"Der verlorene Sohn"   ist ein berühmtes Gleichnis von Jesus: er hat viele Fehler gemacht und wurde trotzdem von seinem Vater liebend empfangen. Dafür haßte ihn sein Bruder. Liebe ist nicht durch Leistung zu erkaufen, Haß zerstört den Menschen, der haßt.

Die berühmte und den Frauen immer wieder abverlangte Mutteliebe ist ein weiteres schwieriges Kapitel: Frauen werden dafür gesellschaftlich geächtet, daß sie u. U. ihr Kind nicht lieben können. Aber lieben ist eine Fähigkeit, die nicht direkt vom Willen gesteuert werden kann.   Doch sie ist eine Fähigkeit, die lernbar ist ...
 
 
6. Gleich-gültigkeit und Einsamkeit
Schlimmer als Haß ist Gleichgültigkeit. Sie ist der emotionale Tod. Sie ist  Beziehungsarmut, Beziehungslosigkeit schlechthin. Der schlimmste dieser Zustände ist der der Einsamkeit in einer Gruppe. Alleinsein kann man gelegentlich, ohne sich einsam zu fühlen. Aber wehe, man  fühlt sich "einsam und verlassen" ...
Sprüche wie "Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere."  machen die Folgen von Einsamkeit deutlich: einsame Menschen werden oft zynisch, verbittert, böse...
 
7. Eheleben fördert Einsamkeit
Politiker und Wissenschaftler weisen immer mal wieder auf die zunehmende  Zahl von "Single-Haushalten" hin.  Das Problem ist zwar als Problem erkannt, doch außer den "Single-Börsen" gibt es keine erkennbaren Strategien.

Die Ursache ist einfach und banal: zunehmende Freiheit verlangt Vielfalt der Möglichkeiten: das traditionelle Ehe- und Familienleben ist "einfältig" (als Gegenüberstellung zu "vielfältig"), einseitig, starkt konventionell programmiert und mit starken äußeren Zwängen für den Einzelnen behaftet.

Das Single-Dasein bietet demgegenüber den Vorteil, diesen Zwängen und Vorschriften zu entkommen. Vor allem Frauen, die wirtschaftlich nicht mehr vom Mann abhängig sind, haben längst erkannt, daß es unvorteilhaft ist, sich den nach wie vor in vielen Fällen noch üblichen Bevormundungen und Gewaltaktionen von Ehemännern auszusetzen. Der Verzicht auf eine nichtgleichberechtigte Ehe  führt oft  ungewollt zu Kinderlosigkeit.
Viele Frauen würden gern Kinder bekommen, doch haben sie meist alleinlebend nicht die nötigen finanziellen Spielräume.

Viele Männer werden wegen ihrer Bevormundungen von ihren Ehefrauen verlassen. Oft finden diese Männer dann  nicht wieder in eine neue Beziehung.

Selbst Ehen, die lange halten, leiden in vielen Fällen unter einer starken Beziehungslosigkeit, einem "Nebeneinanderher-Leben" ohne echte innere Bindung und Gemeinschaft.
  
Natürlich gibt es auch viele Ehepaare, die ein "gut eingespieltes Team" sind, die einfach zusammengehören, gemeinsam "durch dick und dünn" gegangen sind, alle Freuden und Leiden eines langen Lebens miteinander teilen, die ohne den anderen einsam und unglücklich sind.  Es sind beneidenswerte Menschen, die eine solche Beziehung erleben dürfen oder durften. Warum solche Beziehungen so selten sind und ob sie vielleicht doch in einer "heiteren Gesellschaft" leichter und öfter erreichbar sind, wäre ebenfalls wert, ausführlich untersucht und diskutiert zu werden.
Wenn man es streng wissenschaftlich (biologisch) betrachtet, ist  der Mensch nicht monogam. Die lebenslange Monogamie ist - so eigenartig es klingen mag - in diesem Sinne "widernatürlich". Deshalb muß man genau untersuchen, welchen Einfluß das monogame Familienkonzept auf die Einsamkeit vieler Menschen heute hat.
 
8. einsame Menschen - unglückliche Menschen
Nein, ich will hier auf keinen Fall eine Beispiel-Liste geben, wozu Menschen, vor allem Männer, in ihrer Einsamkeit und in ihrem Unglück alles fähig sind. Am  Rande sei nur kurz erwähnt, daß die meisten verwahrlosten Menschen allein lebende ältere Männer sind.  Männer reagieren sichtbarer auf ihre Beziehungsarmut: Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Nachrichten nicht wieder von einem solchen "Fall" berichten. In den meisten dieser Fälle wird deutlich, daß der betreffende, betroffene Mann ein gestörtes Verhältnis, eine gestörte Beziehung zu Frauen hatte.
Ich will keine Schulddiskussionen heraufbeschwören im Stil: "Der hatte eine dominate Mutter." oder "Sein Vater war ein schlechtes Vorbild." Ich will nur deutlich machen, daß diese Beziehungsarmut uns alle angeht und es nur eine Lösung gibt: ihr schon von Kindheit und Jugend an vorzubeugen. Das meint in erster Linie, eine größere Vielfalt des Zusammenlebens zuzulassen als die bisher üblichen streng monogamen Ehe- und Familienbeziehungen, die im weitesten Sinne eher einschränkend als  beziehungsfördernd sind.
Das Thema "Beziehung und Gemeinschaft" beschäftigt sich mit dieser Frage: wie können die Beziehungen der Menschen in Zukunft freier, offener, zufriedenstellender, reichhaltiger werden?



 
9. Gruppenleben fördern
Mir geht es einzig und allein um die Frage: Wie kann dieser Einsamkeit und diesem Unglück in Zukunft besser vorgebeugt werden.
Eine Gruppe, in der mehr als zwei oder drei Mitglieder zusammenleben, bricht nicht gleich auseinander, wenn ein Gruppenmitglied die Gruppe wieder verläßt. Die "zurückbleibenden" fallen nicht in Einsamkeit.
Früher waren diese Gruppen in den Großfamilien realisiert, die mehr als zwei Generationen vereinten und oft auch mehrere Geschwister mit deren jeweiligen Familien zusammenhielten. Solche Großfamilien-Beziehungen kann man noch heute in den Königshäusern und Adelsfamilien beobachten.  Ansonsten sind sie - vor allem wegen der geforderten Mobilität im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz - längst auseinandergefallen.

Deshalb muß man - und das meine ich als Auftrag an die Politik - Gruppenleben, das nicht auf Blutsbande beruht, fördern. Am einfachsten wäre eine Steuerpolitik, die jedes Gruppenleben gegenüber dem Single-Leben bevorzugt: egal ob einfache Wohngemeinschaft oder Familienbildung ohne Ehevertrag.

Ein Blick in die Geschichte lohnt sich durchaus: nicht nur in Klöstern war Gruppenleben möglich, auch außerhalb der Klöster gab es bis in die Neuzeit hinein verschiedene Formen des Gruppenlebens - meist nach Geschlechtern gruppiert. Die Beginen waren so eine nichtklösterliche Gemeinschaft.
Von Philipp Melanchthon weiß man, daß er lange - bis zu seiner von Luther ihm aufgeschwatzten Eheschließung - in einer Männergemeinschaft hier in Wittenberg lebte. Es wird erzählt, daß die Familien ihre Studenten gern in seine Männergruppe gegeben haben, weil sie sich den positiven Einfluß Melanchthons auf ihre Söhne wünschten.

Auch die moderne Zeit kennt Formen des Gruppenlebens, die jedoch im allgemeinen nicht auf Lebenszeit ausgerichet sind: ob die Kaserne für die Soldaten oder das Internat für die Studenten, ob das Gefängnis für die Kriminellen oder die psychiatrische Klinik: überall begegnen wir hier Gruppenleben, oft nicht ganz freiwilligem.

Die in Mode gekommenen Senioren-WGs sind ein Beispiel für selbst gewählte Gruppenleben jenseits traditioneller Familienbeziehungen. Sicher ist die Vielfalt möglicher Formen noch lange nicht erschöpft ....
Fortsetzung dieses Gedankens im Thema "Beziehungen und Gemeinschaft":   Beziehungen
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