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15. 08. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
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Goethe
 

v. Goethe, Johann Wolfgang
Textauszüge über die Freiheit

Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.*

aus "Faust, Der Tragödie zweiter Teil", fünfter Akt,
Fausts letzte Worte
Johann Wolfgang v. Goethe


Nach  diesem Bekenntnis Goethes zu einem Freiheitsbegriff, der in erster Linie  einen Anspruch an den Menschen darstellt, ist es vielleicht auch ganz interessant, weitere Texte von ihm über die Freiheit zu lesen.  Hier stelle ich einige - mehr oder weniger zufällig gefundene  - Textstellen vor.


Ich beziehe mich auf die Texte in der "Digitalen Bibliothek",
Sonderband "Meisterwerke Deutsche Dichter und Denker"
Directmedia Berlin 2000 (siehe Quellen » digitbib)
Die fetten Hervorhebungen in den Zitaten sind von mir. - B. K.


* Auf dieses Zitat beziehe ich mich auf der Seite "Freiheit".

aus Wilhelm Meisters Lehrjahre
Als aber der Zirkel durchlaufen war, sah ich, daß das unschätzbare Glück der Freiheit nicht darin besteht, daß man alles tut, was man tun mag, und wozu uns die Umstände einladen, sondern daß man das ohne Hindernis und Rückhalt, auf dem geraden Wege tun kann, was man für recht und schicklich hält, und ich war alt genug, in diesem Falle ohne Lehrgeld zu der schönen Überzeugung zu gelangen.
Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre, S. 681. Digitale Bibliothek Sonderband: Meisterwerke deutscher Dichter und Denker, S. 11369 (vgl. Goethe-HA Bd. 7, S. 414)
aus Egmont, vierter Aufzug Herzog Alba zu Egmont:
Was wollen sie für Freiheit? Was ist des Freiesten Freiheit? - Recht zu tun! - und daran wird sie der König nicht hindern. Nein! nein! sie glauben sich nicht frei, wenn sie sich nicht selbst und andern schaden können.

Goethe: Egmont, Digitale Bibliothek Sonderband: Meisterwerke deutscher Dichter und Denker, S. 9428 (vgl. Goethe-HA Bd. 4, S. 429)
aus Egmont, fünfter Aufzug
Egmont:
Nun bin ich frei, und in der Freiheit liegt die Angst der Ohnmacht.
ebenda, S.  9447 (Goethe-HA, Bd. 4, S. 440)
aus Torquato Tasso Tasso:
Er ist mein Fürst! - Doch glaube nicht, daß mir
Der Freiheit wilder Trieb den Busen blähe
.
Der Mensch ist nicht geboren, frei zu sein,
Und für den Edlen ist kein schöner Glück,
Als einem Fürsten, den er ehrt, zu dienen.
Und so ist er mein Herr, und ich empfinde
Den ganzen Umfang dieses großen Worts.
Nun muß ich schweigen lernen, wenn er spricht,
Und tun, wenn er gebietet, mögen auch
Verstand und Herz ihm lebhaft widersprechen.
ebenda, S. 9611 (vgl. Goethe-HA Bd. 5, S. 98-99)
aus Torquato Tasso TASSO:
O wenn aus guten, edlen Menschen nur
Ein allgemein Gericht bestellt entschiede,
Was sich denn ziemt! anstatt daß jeder glaubt,
Es sei auch schicklich, was ihm nützlich ist.
Wir sehn ja, dem Gewaltigen, dem Klugen
Steht alles wohl, und er erlaubt sich alles.


PRINZESSIN.
Willst du genau erfahren, was sich ziemt,
So frage nur bei edlen Frauen an.
Denn ihnen ist am meisten dran gelegen,
Daß alles wohl sich zieme, was geschieht.
Die Schicklichkeit umgibt mit einer Mauer
Das zarte, leicht verletzliche Geschlecht.
Wo Sittlichkeit regiert, regieren sie,
Und wo die Frechheit herrscht, da sind sie nichts.
Und wirst du die Geschlechter beide fragen:
Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte.
ebenda, S. 9614 (vgl. Goethe-HA Bd. 5, S. 100 ff.)
aus dem Faust, Der Tragödie zweiter Teil

FAUST:
Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,
Verpestet alles schon Errungene;
Den faulen Pfuhl auch abzuziehn,
Das Letzte wär' das Höchsterrungene.
Eröffn' ich Räume vielen Millionen,
Nicht sicher zwar, doch tätig-frei zu wohnen.
Grün das Gefilde, fruchtbar; Mensch und Herde
Sogleich behaglich auf der neusten Erde,
Gleich angesiedelt an des Hügels Kraft,
Den aufgewälzt kühn-emsige Völkerschaft.
Im Innern hier ein paradiesisch Land,
Da rase draußen Flut bis auf zum Rand,
Und wie sie nascht, gewaltsam einzuschießen,
Gemeindrang eilt, die Lücke zu verschließen.
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Und so verbringt, umrungen von Gefahr,
Hier Kindheit, Mann und Greis sein tüchtig Jahr.
Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.
Zum Augenblicke dürft' ich sagen:
Verweile doch, du bist so schön!
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Äonen untergehn. -
Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick.

ebenda, S. 10279 (vgl. Goethe-HA Bd. 3, S. 348 ff.)
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