| 1. Unvorstellbar aus männlicher Sicht - Frauen sind keine "Kämpfer", das weibliche Lebensprinzip ist heiter |
Frauen haben kein Interesse an Kriegen und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Sie fürchten um ihre Väter, Brüder, Männer, Söhne. Deshalb ist das weibliche Denken vom Prinzip her ein friedliches Denken.
Forschungen zu matriarchalen Strukturen haben ergeben, daß es in diesen Gesellschaften keine Waffen, keine Eroberungen, keine kriegerischen Auseinandersetzungen gab. Sie waren den nomadisierenden Horden, die sie verdrängten, nur ein einem einzigen Punkt unterlegen: in diesem.
Matriarchale Strukturen boten den Rahmen für die - wie HGA schreibt -
„freie, spielerische, heiter-ernste Entfaltung“ der Menschen.
Diese Darstellung betone ich deshalb so gern, weil sie meiner Vorstellung einer "heiteren Zukunft" entspricht.
Geschichte - dialektisch betrachtet - zeigt, daß "alles schon einmal dagewesen" ist, sich spiralförmig höherentwickelnd wiederholt.
Wenn es also eine "heitere Kulturstufe" in der Geschichte gegeben hat, bestärkt das doch in der Hoffnung, daß wie eine vergleichbare Heiterkeit auch in Zukunft wieder erreichen können.
Man kann (Dialektik von Weg und Ziel) ein heiteres Ziel jedoch nie und nimmer auf dem Weg der Gewalt erreichen! |
Eine Zeile in der Nationalhymne der DDR lautete:
"... daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint ..." |
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| 2. Hierarchische oder gleichberechtigte Beziehungen |
Nach HGA waren die Beziehungen in matriarchalen Strukturen vom Prinzip der Geschwisterlichkeit geprägt. Die Schwester beschützt und rettet den Bruder (in der Symbolsprache mehrerer Märchen sehr schön erkennbar). Das System der "Gruppen-Heirat" war gleichzeitig ein System der gegenseitigen Hilfe.
Demgegenüber sind die Beziehungen von Mann und Frau in patriarchalen Strukturen hierarchische, ungleichberechtigte Beziehungen. Die Ehe machte Frauen von Männer abhängig. Männer hatten und haben teilweise noch immer die (Entscheidungs-)Gewalt in der Ehe.
Daraus ergibt sich der Schluß, daß patriarchale Strukturen und Gleichberechtigung von Mann und Frau unvereinbar sind. Wer wirkliche Gleichberechtigung aller Menschen will (und nicht nur Phrasen dreschen oder als Heuchler dastehen will) und auch etwas dafür tun will, der muß sich für die Überwindung patriarchaler Strukturen einsetzen. |
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| 3. Der "Verwilderung des Mannes" entgegenwirken |
Ken Wilber schrieb, Kulturgeschichte sei "Zähmung des Testosterons". Der Mann sei geprägt vom Denk-Prinzip: "Vögele es oder töte es."
Dieser biologischen Unbeherrschtheit des Mannes stellt HGA die soziale "Verwilderung" bzw. "Vertierung" des Mannes an die Seite.
(S. 102 ihres Essaybandes "Für die Musen", noch bezugnehmend auf die Gleichnisse der Märchen, z. B. dem Märchen von den "Wilden Schwänen", in denen die Schwester ihre verzauberten Brüder erlöst, während ihr Mann sie im Stich läßt.) |
Für Männer mag es schmerzhaft sein, diesen Tatbestand zur Kenntnis zu nehmen.
Doch ehrlich - ist es denn normal, was Männer noch immer Frauen und Kindern antun - und auch sich gegenseitig? |
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"Das Elend der Frau, sogar auf dem Scheiterhaufen, läßt den patriarchalen Mann kalt. Die matriarchale Frau hingegen erträgt das Elend ihrer Brüder nicht, als sie in wilde Tiere verzaubert werden. In überlegener Schwesterlichkeit setzt sie alles daran, die Verwilderung der Männer rückgängig zu machen.
Diese matriarchale Schwesterlichkeit wäre auch gut gegen die Verwilderung der Männer in der Gegenwart. Aber es wird den Frauen erst dann möglich sein, sie zu entfalten, wenn sie das Joch des Patriarchats gänzlich abgeschüttelt haben." |
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Diesen Gedanken, daß die „Verwilderung des Mannes” in der Gegenwart wesentlich durch die Hilfe der Frauen überwunden werden kann, erscheint mir für Zukunfts-Gestaltung von elementarer Bedeutung: das gibt Frauen Rechtfertigung, Handlungsmotivation und Optimismus, sich dieser schwierige Aufgabe endlich zu stellen. Natürlich wird es Männern erst einmal sehr, sehr schwer fallen, diese „Verwilderung des Mannes” zu erkennen und anzuerkennen.
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| 4. Die Spannung zwischen den realen Bedingungen |
Unter der Überschrift
„Ein neuer Politikbegriff, eine neue Politik”
heißt es unter anderem zu Utopien und der Sehnsucht nach einer besseren Gesellschaft: |
In "Für die Musen" - abgekürzt: (HGA (1) - ab S. 126
(weitere Angaben siehe unten, Punkt 6)
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| und der Utopie aushalten |
"Im facettenreichen, immer weiter vorangetriebenen Leben von Utopie in dieser Zeit liegt eine Spaltung, ein Sich-Abgrenzen, das aber bewußt und notwendig ist. In allen täglichen kleinen und großen Auseinandersetzungen gilt es, diese schmerzhafte Spannung zwischen realer Unmenschlichkeit und gelebter menschlicher Utopie auszuhalten. Das ständig erneute Verletztwerden in dieser ersten gewonnenen Ganzheit mit sich, der Natur und anderen Menschen, der tief und spontan empfundene Schmerz, der sich unter heutigen Verhältnissen immer wiederholen muß, treibt den Prozeß der Veränderung im Sinne der matriarchalen Spiritualität voran. Diesen Schmerz, dieses schwierige Aushalten von Utopie in einer feindseligen Realität müssen wir nicht nur im persönlichen, sondern auch im allgemeinen Sinne riskieren. Mit mehr und mehr gemeinsam."
HGA stellt als Perspektive:
„ ... so wird uns nach und nach die wachsende Gemeinsamkeit, die ohne jeden Zwang entsteht, der wachsende Kreis gelebter Utopie in dieser Situation von immer wieder erneuter Spannung und Aushaltenmüssen überleben lassen.“ |
( Hervorhebung von mir
- B. K.) |
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| 5. Allmählichkeit statt "Revolution" - ein weibliches Politikverständnis |
In diesem Punkt unterscheiden sich männliche und weibliche Vorstellungen am extremsten: bei Männern geht es um Macht und Gewalt. Sie bringen (siehe USA) ihre Vorstellungen von "Demokratie" mit Waffen in andere Länder - ein Widerspruch in sich, der natürlich keine wirklich effektiver Weg ist. Klassenkampf-Konzepte rechtfertigen für ihre Revolutionen immer auch die Wege der Macht und Gewalt bis hin zum Einsatz von Waffen gegenüber den "Klassenfeinden".
Demgegenüber ist die Arbeit von Frauen in Afrika, die geduldig darauf hinwirken, daß die Beschneidung der kleinen Mädchen aufhört, ein Beispiel für weibliche Vorstellungen von Veränderungen. |
siehe in den "Keimen des Neuen" Frauen |
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Weibliches Politikverständnis ist komplex: es versteht sich in der Verbindung von Kunst und praktischer Einflußnahme. Aus diesem Gedankenansatz ist meine Idee, Zukunft als "großes gemeinsames Kunstwerk" zu gestalten, vielleicht nachvollziehbar.
Bei HGA (1) heißt es dazu : |
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"Matriarchale Kunst ist realistische Kunst, steht jenseits des heute der Kunst zugewiesenen „Fiktionalitätsprinzips“, matriarchale Kunst greift in die Realität verändernd ein."
und
"Ein solcher andere Politikbegriff enthält als Grundvorstellung die Veränderung unmenschlicher Zustände, die aber keine gewaltsame Veränderung einschließt. Die Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen in patriarchalen Gesellschaften ist ein Zustand, der der Veränderung dringend bedarf. Darauf richtet sich ein von Frauen formulierter Politikbegriff. Die Veränderung muß gewaltlos sein, denn Gewalt erzeugt endlos Gegengewalt, und es ist höchste Zeit, aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Es gibt erprobte Formen des gewaltlosen Widerstandes, wie die passiver Weigerung, das Niederlegen der erzwungenen Arbeit oder einfach das Verlassen, das Weggehen aus unhaltbaren Zuständen, das Votum der Füße, von dem Frauen schon immer Gebrauch gemacht haben und es heute mehr denn je tun." |
HGA (1) S. 124 |
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Matriarchale Gesellschaften waren "regulierende Anarchien", wie HGA es nennt. |
siehe ABC Zukunft > Anarchie |
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| 6. Heide Göttner-Abendroth und ihre Bücher |
Über Heide Göttner-Abendroth
Sie ist Jahrgang 1941, promovierte und lehrte auf dem Gebiet der Philosophie und begründete die Frauenforschung in Deutschland mit. In mehreren Büchern legt sie die Ergebnisse ihrer mehr als dreißigjährigen Forschungsarbeit vor. Sie gründete 1986 die Frauenakademie HAGIA, „Akademie für kritische Matriarchatsforschung und matriarchale Künste“, hatte
1980 eine Gastprofessur in Montreal, Kanada und 1992 eine Gastprofessur in Innsbruck, Österreich.
Auf dieser Seite beziehe ich mich auf das Buch von Heide Göttner-Abendroth (Kürzel HGA (1) )
1. Für die Musen
Neun kulturkritische Essays (Essayband 1)
erschienen im Verlag Zweitausendeins, 7. Auflage 1994 ( 1. Auflage 1988) ,
216 Seiten.
Weitere Informationen über ihre Arbeit und ihre Bücher finden sich in :
www.goettner-abendroth.de und in www.hagia.de. |
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