| Paradies - der ideale Anfangs- und Endzustand |
Mit diesem Wort verbindet sich zum einen der biblische Anfangszustand des "Garten Eden", der von Gott geschaffen wurde, und in dem die ersten Menschen Adam und Eva in Unschuld und Unwissenheit lebten.
Bis heute hält sich die Geschichte von der "Vertreibung aus dem Paradies" als Strafaktion eines Rache-Gottes, dessen Befehle diese Menschlein nicht eingehalten haben.
Die Unlogik der Geschichte ist auffällig: Wenn Gott nicht gewollt hätte, daß die Menschen vom "Baum der Erkenntnis" naschen, hätte er den Baum vor ihnen geheim halten können. Doch viel schlimmer noch: was wäre passiert, wenn die Menschen den Apfel nicht gegessen hätten? Die Katastrophe wäre viel schlimmer gewesen: es wäre nichts passiert außer ewiger Gleichförmigkeit und Langeweile.
Die zweite Paradies-Vorstellung ist die von einem "Jenseits" nach dem Tod, von "himmlischen Zuständen", in dem die Seelen der Verstorbenen vom irdischen Jammertal erlöst sind und ein absolut sorgenfreies "Leben" leben. Diese zweite Version ist einfach erklärbar: aus dem Elend, der Not, dem Hunger waren solche Träume von einem besseren Leben vorstellbar. Doch das war nicht "in dieser Welt" zu haben - also stellte man sich eine "andere Welt", ein "Jenseits" vor, in dem es dann besser sein sollte. Es geht hier überhaupt nicht darum, ob solche Vorstellunge vom Leben nach dem Tod realistisch sind. Das sind Fragen, die in das Fachgebiet der Theologen gehören und die jeder Mensch für sich selbst entscheiden muß, wie er sie beantwortet. Es geht mir bei diesem Paradies-Bild nur darum, diese Idee, vermutlich die erste oder eine der ersten von einem "besseren Leben" zu erwähnen:
die Kopplung der Vorstellbarkeit eines besseren Lebens mit der Erkenntnis, daß so ein schönes Leben auf diese Welt nicht erreichbar sei. |
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| Schlaraffenland |
In der Fibel konnte wir bereits im ersten Schuljahr diese Geschichte lesen: ein Land irgendwo auf der Erde (also nicht mehr in einem "Jenseits"), in dem es genug zu essen gab. Kein Mensch mußte mehr arbeiten, alle lagen faul in der Gegend herum, aßen und schliefen nur noch. Sie wurden träge und gedankenlos. In einer Zeit, in der das Leben im wesentlichen nur aus schwerer und wenig Ertrag bringender Arbeit bestand, ist natürlich ein Traum von einem arbeitsfreien Leben sehr verständlich.
Orson Wells hat in dem Film "'Die Zeitmaschine" dieses Bild aufgegriffen für eine weit entfernte Zukunft: die Menschen dort leben auch in einem tatenlosen Paradies - doch sie werden nur gefüttert, bis sie von den bösen, rastlos arbeitenden Molochen im Berg gefressen werden. Diese Menschen müssen erst wieder lernen, aktiv zu werden. Das unterstellt übrigens, daß der Mensch "von Natur aus faul ist", keinen inneren Antrieb zum Handeln hat und daß er ohne die Not, die Notwendigkeit, arbeiten zu müssen, degenerieren würde.
Die Kopplung eines guten Lebens an Tatenlosigkeit und Faulheit scheint also auch nicht die Lösung für eine lebenswerte Zukunft zu sein. |
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| Utopia |
Dieser von Thomas Morus geprägte Begriff für einen "Kein Ort, nirgends", in dem er einen Idealstaat darstellte, wurde zur Grundlage für den Begriff der "Utopie", der unrealistischen Zukunftsvorstellung.
Seitdem laufen alle Zukunftsvorstellungen, die eine "bessere Zukunft" voraussagen, Gefahr, als "Utopie" verschrien und belächelt zu werden. |
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| Weltzeitalter |
Eine Vision aus dem 12. Jahrhundert habe ich gefunden, die eingekleidet in die damalige Gedankenwelt, in die damals typische Denkweise einige sehr interessante Vorstellungen von Zukunft beinhaltet. Deshalb bitte ich Sie, sich nicht an der Form, der Ausdrucksweise und den Begriffen zu stören, sondern einmal zu prüfen, was hinter dieser damaligen Darstellung an Wissen um mögliche Zukunft steckt. Ein Joachim von Fiore (1130 - 1202) sah drei Weltzeitalter in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wobei das Zukunftsbild das schönste und verlockendste ist: die Zeit des Jauchzens (der Freude) und der Freiheit.
Wie es aussieht, war es vor 800 Jahren gar nicht lächerlich, sich eine Zukunft in Freude vorzustellen. |
In den " kleinen Ideen" finden Sie das Zitat und eine etwas modernere Wiedergabe seines Gedankens. |
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| Das Zukunfsbild des "Tausend-jährigen Reiches" |
Heute bekannt ist eigentlich fast nur noch die Vorstellung der deutschen Nationalsozialisten von einem "Tausendjährigen Reich", das sie errichten wollten.
Soviel ich weiß, geht deren Vorstellung jedoch auf viel ältere Visionen und Ereignisse zurück. Ich werde versuchen, mehr Informationen über diesen historischen Vorläufer zu finden.
Was jedoch das "Dritte Reich" und seine Zukunftsvorstellungen betrifft, habe ich einen Verdacht und ich will ihn als Frage formulieren:
Kann man Geschichte bewältigen, indem man die Fragen, die zu einer bestimmten Zeit in bestimmter Weise beantwortet wurden, ignoriert? Was ich damit sagen will ist: das "Dritte Reich" hat den Menschen ein wunderbares Zukunftsbild gemalt. Die Menschen sind darauf hereingefallen und haben alles gegeben für den, der ihnen diese Zukunft versprache. Dann kam das furchtbare Erwachen - und nun haben sie Angst, noch einmal auf eine ähnliche Versuchung hereinzufallen.
Also belächeln sie lieber und schotten sich ab, wenn es darum geht, sich ein schönes Bild von der Zukunft zu malen.
Ist es das gebrannte Kind, das das Feuer scheut? |
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| Namen von Zukunftsbildern und Vorstellungen im Zusammenhang mit dem "Leben nach dem Tod" |
Das Elysium:
(alte Überlieferung, von Homer u. a. aufgegriffen)
Für Schiller wird Elysium zur Metapher für den idealen Endzustand der Menschheitsentwicklung im Gegensatz zu Arkadien, der Umschreibung für den idyllischen Urzustand.
Die Insel der Seligen
(Hesiod)
wird als Orte "heiterer Seligkeit" beschrieben.
Neben Nirwana, das die völlige Ruhe, das Aufhören des Daseins als Endziel des Buddhisten und des Jinisten beschreibt (eigentlich: "das Verlöschen") gibt es Vorstelllungen wie
den
Hades, den Orkus, die ewige Jagdgründe usw. - ebenfalls Jenseitsvorstellungen. Typisch ist dabei, daß oft ein Übergang des Vergessens erfolgt, z. B. gab es den
Lethe
den Strom der Vergessenheit, aus dem die Verstorbenen tranken, um die Erinnerung an das irdische Leben auszulöschen.
Utopien, die nicht mehr in einem Jenseits angesiedelt waren, sondern bewußt als Orte der Phantasie beschrieben wurden, war neben "Utopia" beispielsweise auch
Der Sonnenstaat bei Campanella.
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siehe Quellen - geflügelte W. |
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