"Das alles klingt sehr schön. Die Menschheit ist satt, malt und singt, keiner schuftet, die Wirschaft wächst: ein Paradies. Seit der Vertreibung aus seligen Gefilden aber heißt es: Ohne Fleiß kein Preis. Das Bürgergeld entkoppelt nun Einkommen von Arbeit.
Welche Effekte hätte ein solches System auf das Verhalten der Bevölkerung? Fände sich noch jemand zu Tätigkeiten bereit, die gering bezahlt und nur begrenzt sinnstiftend sind? Andere Quellen gesellschaftlichen Wohlstandes als Leseabende oder Torjubel vor der Großleinwand sollten schon erkennbar sein. Schließlich gründen die Zweifel am deutschen Sozialstaat auf der Beobachtung, dass staatliche Alimentation über längere Zeit die Passivität der Empfänger fördert und dies auch für deren Kinder gilt.
Was also geschähe mit Bürgergeld? Ob einer sein Leben lang schuftet oder in der Sonne liegt - im Alter gibt´s das Grundeinkommen. Die Rente nach Beitragsjahren ist passé. Ob einer nach 30 Jahren Maloche ohne eigene Schuld auf der Straße steht oder von jeher freiwillig dort herumlungerte, spielt keine Rolle. Es gibt kein Arbeitslosengeld mehr, keine Überbrückungshilfen, Weiterbildungsmaßnahmen oder Heizkostenzuschüsse. Nur das Grundeinkommen, das stetig fließt.
Die bürgerliche Gesellschaft hat feudale Privilegien überwunden, in dem sie die persönliche Leistungsbereitschaft und individuelle Fähigkeiten, gründend auf gleichem Zugang zu Bildung und politischer Mitgestaltung zum Maßstab für den Erwerb von Wohlstand erhob. Die soziale Demokratie gewährt Bedürftigen solidarische Hilfe. Wer hieran rührt, rührt am Fundament der Gesellschaft." (EdT)