| 1. Wenn einem das Lachen vergeht ... |
... dann ist man krank, hat Sorgen, Ärger oder Ängste. Es ist ein schlimmer Zustand, wenn einem das Lachen vergangen ist, wenn es einem " im Halse steckenbleibt", wenn man " nichts zu lachen" hat. Es gibt auch ein " böses Lachen", aber das hat wohl weniger mit Lachen zu tun als mit "böse sein", verärgert sein, unglücklich sein. Das Lachen verstärkt dann durch den Gegensatz die Wirkung. Es ist ein " falsches Lachen". Auch " spöttisches Lachen" ist möglich, ein freundlicher Mensch hat vielleicht ein " gutmütiges Lächeln" auf den Lippen, ein trauriger Mensch wird getröstet und " lacht unter Tränen". Ein anderer " lacht sich krumm und schief".
Eigentlich ist Lachen etwas, das glücklich macht und umgekehrt: wenn man glücklich ist, " hat man gut lachen".
Das Lachen ist bei ersthaften Menschen verpönt, sie sagen:
"Am Lachen erkennt man den Narren." |
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| 2. Lachen ist Medizin und Lebensrettung |
Von der Lachbewegung in Deutschland ( www.lachbewegung.de) habe ich kürzlich aus dem Magazin meiner Krankenkasse erfahren. Auf der Webseite findet man die Adressen von mittlerweile mehr als 50 Lachklubs in Deutschland. Diese Lachbewegung ist "Teil der weltweiten Lachbewegung", die in enger Verknüpfung mit den Yoga-Traditionen steht.
In ihrer Erklärung heißt es beispielsweise:
"Lachen ist das beste Gegenmittel gegen die Zeit-Krankheit: Stress. Ursächlich sind über 70% aller Krankheiten auf negativen Stress zurückzuführen. Lachen baut Stress ab – und Lebensenergie auf. Regelmäßiges Lachtraining stärkt das Immunsystem, gleicht den Hormonhaushalt aus, verbessert die Atmung und den Blutkreislauf, stimuliert die Verdauung, lindert Schmerzen, beseitigt Schlafprobleme, Depressionen werden gemildert."
In einem Buch über Wilhelm Busch und die Lebensweisheit seiner Sprüche, die vielfach in den Volksmund übergegangen sind, las ich folgende Geschichte (von mir stark gekürzt sinngemäß wiedergegeben):
Eine Urwaldexpedition war vom Weg abgekommen, hatte die Orientierung verloren, nichts mehr zum Essen, die Kräfte schwanden, jeden Tag wurde es schwieriger, aufzustehen und doch noch weiterzugehen. Die Hoffnung schwand, das "Es-hat-ja-alles-keinen-Zweck"-Denken ließ sich immer weniger unterdrücken. Bisher hatte es der Expeditionsleiter immer noch geschafft, morgens die anderen zum Aufstehen zu bewegen, doch dann kam der Tag, an dem das Ende erreicht schien. Alle blieben liegen, keiner fand die Kraft, als erster aufzustehen. Auf einmal hörten die anderen von dem einen Lager ein lautes Lachen. Natürlich schauen alle auf den Lacher, der erklärt, ihm sei folgender Spruch von Wilhelm Busch in den Sinn gekommen:
Hinderlich, wie überall
ist hier der eigne Todesfall.
Auch die anderen schüttelte es vor Lachen, doch nun fanden sie die Kraft, aufzustehen. Die Rettung nahte .... (Sonst wäre die Geschichte ja nicht weiter erzählt worden.) In dem Buch wird sich übrigens nicht unbedingt für den Wahrheitsgehalt der Geschichte verbürgt, doch daß Humor eine Lebenskunst ist, die das Leben leichter macht, dürfte sich allgemein herumgesprochen haben. Und auch das hübsche Wörtchen " Galgenhumor" hat es wohl in sich .... |
In den Keimen des Neuen (in "Weg + Ziel") schreibe ich, daß Zukunft, Lebensfreude, Lachen und Freiheit zusammengehören. In diesem Sinne ist diese Lachbewegung ebenfalls Teil des Weges in die "Heitere Zukunft". |
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| 3. Sprach-Betrachtung |
Der Duden 7, das Herkunftswörterbuch, behauptet zwar, daß das Wort Lachen lediglich lautmalerischen Ursprungs sei und mit "gackern", "schreien, krächzen" zusammenhängen könnte.
Ich sehe noch eine andere Verwandschafts-Möglichkeit: "Lache" hat zwei Bedeutungen - einmal die Substantivierung des Verbes "lachen" und zum anderen steht es bekanntlich für eine Pfütze, eine kleine Wasseransammlung. Diese "Lache" könnte nun durchaus mit dem lateinischen Wort "lacuc" für "Wasseransammlung, See" zusammenhängen. Das assoziiert bei mir das Wort "Humor", das vom lateinischen "humor" kommt, das soviel wie "Feuchtigkeit" bedeutet. Doch in anderen Sprachen gibt es diese Doppeldeutigkeit des Wortes Lache wohl nicht.
Das Lachen in anderen Sprachen:
Im Griechischen heißt Gelächter GELOS. Im Englischen heißt lachen "laught" und lächeln "smile". Dort wird also schärfer zwischen beiden Regungen getrennt. |
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| 4. entwaffnendes Gelächter |
Diese Geschichte, die angeblich im 2. Weltkrieg an der Front zwischen den deutschen und den sowjetischen Streitkräften passiert sein soll, hat der Schriftsteller Danil Graniin aufgeschrieben. Bei einem etwas ungeschickt-komischen Zusammentreffen müssen die beteiligten Soldaten beider Seiten heftigst und gemeinsam lachen. Dann stellen sie mit Erstaunen fest, daß nun eine recht absurde Situation entstanden ist:
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In dieser Geschichte ist auch
eine Betrachtung über das Lächeln der Japaner enthalten. |
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"Die Deutschen lachen, und unsere hocken auf der anderen Seite und lachen ebenfalls. Und keiner schießt. Auch als sie aufgehört haben zu lachen, schießt keiner, weil man eben, wie es sich zeigt, nicht aufeinander schießen kann, wenn man miteinander gelacht hat. Unsere robben in der einen Richtung weiter, die Deutschen in der anderen, und so trennten sie sich.“
"Weil man nicht aufeinander schießen kann, wenn man miteinander gelacht hat" - was für ein bemerkenswerter Satz! |
Alles zusammen ist etwas lang. Deshalb steht der ausführliche Text auf einer gesonderten Seite:
Allgemeines >
Fremdtexte >
Graniin, D. |
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| 5. Über sich selbst lachen |
Heitere Menschen können sogar „über sich selbst lachen“ – über ihre eigenen Fehler und Dummheiten, ihre Irrtümer und Mißverständnisse. Sie machen mit diesen Dingen genau das, was wert sind: Sie nehmen sie nicht allzu ernst.
( Siehe auch in "ernst und heiter": woran man einen heiteren Menschen erkennt - was ihn von einem lachenden oder einem albernen Menschen unterscheidet - oder anders ausgedrückt: ein lachender Mensch ist nicht notwendig auch ein heiterer Mensch - heiter sein ist "mehr" als "nur" lachen. ) |
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| 6. Zur Geschichte des Lachens |
Irgendwo fand ich folgendes Buch erwähnt:
Le Goff, J.:
Das Lachen im Mittelalter
Klett-Cotta, 100 S., 14,00 Euro
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Hiermit durchbreche ich alle meine Prinzipien, nur Literatur zu empfehlen, von deren Inhalt ich mich selbst überzeugen konnte. |
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„Hat Jesus gelacht? Kann Gott überhaupt lachen? Verspottet der lachende Mensch denn nicht die Weltordnung?“ so fragten sich besorgte Mönche und Gelehrte. Anschaulich schildert Le Goff die vielfältigen Anlässe, sozialen Formen und Funktionen des Lachens in der mittelalterlichen Gesellschaft und setzt es in die größeren geschichtlichen Zusammenhänge."
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„Hat Jesus gelacht? Kann Gott überhaupt lachen? Verspottet der lachende Mensch denn nicht die Weltordnung?“ so fragten sich besorgte Mönche und Gelehrte. Anschaulich schildert Le Goff die vielfältigen Anlässe, sozialen Formen und Funktionen des Lachens in der mittelalterlichen Gesellschaft und setzt es in die größeren geschichtlichen Zusammenhänge."
Ich werde versuchen, auf dieser Seite weitere Informationen über die Geschichte des Lachens zusammenzustellen. |
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| 7. Spöttisches Lachen kann gefährlich sein |
Über spöttisches, höhnisches, böses, herablassendes, abwertendes, arrogant-überhebliches und anderes, was zwar Lachen heißt, aber nichts mit Heiterkeit zu tun hat:
Wie boshaft die chinesische Prinzessin gelacht haben mag, als sie über ihren Vater, den Kaiser spottete, ist nicht überliefert. Sie soll sich über seine Politik lustig gemacht haben. Das kostete sie das Leben, denn ihr Vater verstand natürlich keinen Spaß, schon gar nicht einen auf seine Kosten.
Wie heißt es im Volksmund so schön?
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Warum empfinden Menschen so eine Genugtuung und Schadenfreude, wenn es anderen schlecht geht? |
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| 8. Passen Politik und Lachen zusammen? |
Die gemeinschafts-stiftende Wirkung des Lachens
„Die Welt“ vom 7. Juli 2001 bot folgende Überschrift:
„Lachen im Plenum – eine ernste Angelegenheit“
„Die Heiterkeit im Deutschen Bundestag stiftet Gemeinschaft – so kommt ihr eine »manifeste politische Dimension«zu“
In dem Text von Daniel Friedrich Sturm heißt es, Politik sei „ein ernstes Geschäft“. Er beschäftigt sich mit einem Beitrag des Politikwissenschaftlers Marcus Hoinle , den er unter der Überschrift „Heiterkeit im ganzen Haus“ in der „Zeitschrift für Parlamentsfragen“ über das parlamentarische Lachen veröffentlicht hat.
Hoine meine, „der Homo politicus sei stets zugleich ein Homo ridiculus“ . und
„Mit ihrem Gemeinschaft stiftenden und kommunikativen Charakter komme dem Lachen eine »manifeste politische Dimension«zu. Für Prozesse von Gruppenbildung und Kommunikation sei es von großer Bedeutung.“ sowie Heiterkeit „lockert eine angespannte Atmosphäre auf“.
Natürlich ist manches Lachen auch eingeplant, kalkuliert. Denn „Wer die Lacher auf seiner Seite weiß, partizipiert an der Überlegenheit der Lachenden und braucht letztlich weniger Argumente vorzuweisen.“
Der Text weiß jedoch auch zu berichten, daß die Verunglimpfung anderer Personen auch Lachen hervorrufen kann. Es besitzt also zwei Gesichter:
„Es bildet Gruppen und grenzt zugleich aus, es greift an und verteidigt, es täuscht und enthüllt, es stiftet sowohl Unruhe als auch Ordnung, es entspannt und bedroht, es deklassiert und erhebt, es vereinnahmt und motiviert.“ - Es bildet „das Fundament einer öffentlichen, ritualisierten parlamentarischen Lachkultur im Bundestag.“
Lachkultur - das Wort hat es in sich! |
Die hier geschilderte Episode im Bundestag war wohl doch nur ein "Ausrutscher" - nie wieder später fand ich einen ähnlichen Hinweis auf Gelächter im Parlament. |
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| 9. Woran man gut tut |
Die heitere Gelassenheit
Longchenpa, ein buddhistischer Mönch des 14. Jahrhunderts, hat das Prinzip der "heiteren Gelassenheit" so begründet:
Woran man gut tut
Da alles Erscheinung ist,
vollkommen im Sein, was es ist,
nichts mit gut und böse zu tun hat,
mit Anerkennung oder Ablehnung;
tut man gut daran, laut aufzulachen. |
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| 10. Kann Lachen eine Waffe sein? |
Die meisten Menschen mögen es sicher nicht, ausgelacht zu werden. Deshalb schämt sich jeder, dem das passiert, er wird wütend und strengt sich an, daß ihm das nicht noch einmal passiert. Manchmal - wenn er die Macht dazu hat - straft er die Übeltäter.
Autoritäten sind sehr ernst. Sie mögen es nicht, wenn gelacht wird, weil sie denken, das Lachen verspottet sie.
Deshalb halte ich z. B. das spöttische Lachen nicht nur für eine individuelle Art, mit den Schwächen und Fehlern anderer umzugehe, ich halte es durchaus für eine "Waffe": das Belächeln historisch überlebter Ansichten, das Verspotten der "Ewiggestrigen" und immer "Unbelehrbaren", der Miesmacher, der Sauertöpfe, der Griesgrame, die niemandem eine Freude gönnen, weil sie sich selbst nicht richtig freuen können - warum sollte das nicht erlaubt sein?
Erst wenn man über eine Sache lachen kann, hat man sie wirklich verarbeitet. Ein souveräner Mensch kann über sich selbst und seine Fehler lachen. Man kann "unter Tränen lächeln", man kann "lächelnd verzeihen". In all diesen Beispielen zeigt sich, daß Lachen als Lebenshilfe, als "Waffe" gegen schlimme Ereignisse und emotionale Tiefs sehr hilfreich sein kann.
Jemand sagte einmal, die Kunst bestehe darin, heiter (bzw. lächelnd) von der Vergangenheit zu scheiden. ...
Manchmal denke ich, es wird ein tosendes Gelächter geben, wenn die nächsten Generationen sich über unsere Dummheiten amüsieren werden ... |
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| 11. Komik, Satire, Humor |
Die "ernste" Kunst gilt als die erhabener, wertvollere gegenüber der Unterhaltungskunst, die einfach nur Freude verbreiten will. Doch es ist viel leichter, einen Menschen zum Weinen zu bringen als zum herzlichen Lachen. In diesem Sinne ist die Kunst, die Heiterkeit, Freude, Lachen produziert, für die "heitere Gesellschaft" die wichtigere. Deshalb lohnt es sich auch, sich etwas ausführlicher mit ihr zu befassen.
Ich habe gerade erst damit begonnen und als erstes gefunden habe ich einen Satz von Robert Gernhard:
"Das Gedicht ist die kürzeste Form, komisches zu transportieren." |
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