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15. 03. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
Ein Zukunftsmodell stellt sich vor - Gibt es eine denkbar-machbar beste Zukunft?
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Freude als typisch menschliches Bedürfnis

Freut euch des Lebens ...

Auf dieser Seite stelle ich erste Gedanken über die Freude und die Fröhlichkeit zusammen. Wußten Sie, daß die  Worte für Frau und Freude einmal im Mittelhochdeutschen gleich waren?


Übersicht der Abschnitte dieser Seite:
  1. Sprache und Sprüche
  2. Schadenfreude
  3. Freut euch mit mir ...
  4. Frau und Freude ...
5. ... und noch eine Sprachbetrachtung
  6. Der Kabarettist Eckart von Hirschhausen
1. Sprache und Sprüche „Alles geben die Götter ihren Lieblingen ganz,
alle Freuden, die unendlichen,
alle Leiden, die unendlichen.
Alles ganz. “

Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid ist halbes Leid.

Des einen Freud, des andern Leid.

Du wirst es nie zu Tücht'gem bringen
Bei deines Grames Träumerein,
Die Tränen lassen nichts gelingen,
Wer schaffen will, muß fröhlich sein.
  Theodor Fontane [Gedichte Ausgabe 1898, S. 29]

 
 
2. Schadenfreude
"Schadenfreude ist die reinste Freude."
sagen manche Menschen.
Wieso bereitet es  einigen Menschen Freude, den Schaden oder das Leid anderer Menschen mit anzusehen? Wie ist es in diesem Zusammenhang um die Sadisten und Masochisten bestellt, sie empfinden doch offenbar auch Freude am Leid - am eigenen oder am Leid des anderen? Was sind die psychischen Wurzeln einer solchen Freude?
Hier treffen sich die Gedanken mit denen auf der Seite "Lachen", wo es um das "spöttische Lachen" geht, um
"Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen."

Schadenfreude kann man noch unter einem anderen Blickwinkel sehen:
Vielleicht hat mancher Spott und manche Schadenfreude  sogar geholfen, mit dem Leid und Schaden fertig zu werden,  besser als es  das wohlmeinende Mitgefühl gekonnt hätte?
Vielleicht weckt die Schadenfreude die Energie, sich trotz allem nicht unterkriegen zu lassen, besser, als Trost und Beistand es  hier und da könnten?
Ich denke, es ist individuell verschieden: der eine benötigt Trost, der andere den Spott. Doch woher weiß man das?

Mir fallen noch zwei Geschichte hierzu ein, sie gehören hierher und auch in die Betrachtungen zum Lachen (siehe die Seite Lachen), aber hier helfen sie vielleicht, das Phänomen der Schadenfreude  aus weiteren Blickwinkeln zu sehen:

Die erste spielt in der Schulklasse meines Sohnes im 2. Schuljahr: Marvin, ein Zappelphillipp, kippelt mit dem Stuhl, kippt hintenüber. Als er aufsteht und es sich zeigt, daß er sich nicht ersthaft verletzt hat, lachen alle. Ich vermute einmal, ohne dabei gewesen zu sein, daß sie erleichtert gelacht haben - und ein bißchen spöttisch, weil der Marvin eben nicht aufgepaßt hat beim Kippeln. Ich vermute, die Kinder hätten nicht gelacht, wenn Marvin wirklich verletzt gewesen wäre.

Es gibt offenbar eine Art "Grenzschaden", ab dem der Spott (der "gutmütige Spott") nicht mehr  angebracht ist - und ich denke auch, daß die Kinder für diese Grenze einen Urinstinkt haben oder es doch sehr schnell lernen, diese Grenze zu erkennen.
Das Tragische an dieser Geschichte war lediglich die Lehrerin. Gewohnt, fremdes Lachen immer als mögliches Spott-Lachen zu sehen, das sie als die Autorität angreift, ist sie allergisch gegen das Lachen der Kinder (sie "darf" ja auch gar nicht mitlachen!). Also beschmipft sie die Kinder (anders kann man das nicht nennen) und sagt: "Lachen ist verboten!"

Die zweite Geschichte erzählte mir Gerhard Branstner:
Er hat die Geschichte der Heiterkeit studiert und ist an den eigenartigsten Stellen pfündig geworden: einmal las er einen Bericht eines Europäers, der bei irgendeinem Naturvolk Forschungen betrieb: er hatte eine Menge Ausrüstung, er hatte ein Boot bei den Einheimischen gemietet und Leute, die ihm helfen sollten. Doch das Boot kippte beim Beladen um. Die Einheimischen wanden sich vor Lachen. Der Forschungsreisende war erbost, meinte, sie hätten ja gut Lachen, da das Zeug ihm gehört hatte. Die Einheimischen stellten, so gut es ging, eine neue Ausrüstung aus ihrem eigenen Besitz zusammen. Wieder kippte das Boot um, wieder war alles futsch. Wieder lachten die Einheimischen.
Und nun erklärte G. Branstner das so:
Es ging gar nicht um Schadenfreude (das hätte eine andere Haltung zum Eigentum bei den Einheimischen vorausgesetzt), es ging um die Komik bei der ganzen Sache!

Die dialektische Aufhebung des Leides in der Komik, im Lachen - das Schaffen eines ausgleichenden Gegengewichts, das ist die tiefste mögliche Erklärung für Schadenfreude und Spott.

Kleiner Tipp zum Selbstversuch: Lutschen Sie mal einen Bonbon, wenn Ihnen zum Heulen zumute ist, in der Oper beim Anblick fremden Leides oder zu Hause, beim Erleben eigenen Leides. Die Komik der Situation - heulend Bonbon lutschen  ist nun einmal nicht tragisch, sondern komisch! - schafft die nötige Distanz zum Leid.

Das wäre nämlich noch eine Erklärung für Schadenfreude: weil ich das Leid des anderen nicht ertragen kann, weil ich nicht mitheulen will, schaffe ich eine Situation, die mir ermöglicht, nicht zu weinen.   Ich ziehe sie ins Lächerliche.
Böser Spruch:
Schadenfreude ist besser als gar kein Mitgefühl.
3. Freut euch mit mir ...
Freut euch mit mir, mich liebt das wunderbarste Mädchen der Welt!

Diese Auffordung ist selten geworden: "Freut euch mit mir!".  Warum  eigentlich?

Eines ist wohl logisch:
Wer sich nicht auch mit anderen freuen kann, erlebt wenig Freude im Leben.
Schnulze hin, Schmalz her. Dieser alte Schlager ging mir wieder durch den Kopf, als ich diese Seite vorbereitete: Ich weiß nicht einmal mehr, wer der Sänger war und wie der Text weiterging
 
4. Frau und Freude
Wie gehören die Wörter "Frau" und "Freude" zusammen?
Geht man dem Ursprung des Wortes „Frau“ und des Wortes „Freude, freuen“ nach, stößt man auf eine äußerst eigenartige Tatsache. Zwar ist „Freudenhaus“ als Haus, in dem Frauen wohnen und den Männern auf ganz spezifische Art und Weise Freude bereiten, bekannt. Könnte es sein, daß in den Anfängen die Wörter „Frauenhaus“ und „Freudenhaus“ das gleiche bedeuteten?
Könnte es sein, daß „Frau“ und „Freude“ vom gleichen Wort herkommen, nur irgendwann – künstlich – getrennt wurden?
Im Duden 7 (Herkunftswörterbuch) steht unter anderem als Herkunft bei diesen  Worten:
         Frau
                      mhd.: vrouwe, ahd. frouwe
        freuen
                   mhd.: vröuwen, ahd. frouwen, frewan, froh
        Freude
                    mhd.: vröude, ahd. frewida, frouwida, froh,
Es gibt im Herkunftswörterbuch keinen Hinweis, daß beide Wörter irgendetwas miteinander zu tun haben könnten. Doch wer Augen hat zu sehen, ...
An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß die Brockhaus-Enzyklopädie in ihrer 24-bändigen jüngsten Ausgabe zu den Begriffen „Freude“ und „Heiterkeit“ nichts zu sagen hat. Sind diese Worte nicht „erklärungsbedürftig“? Oder sind sie so unwichtig für das Leben der Menschen?

 
5. Sprach-Betrachtung
Mit „Freude“ im Zusammenhang stehen solche Wörter wie Rausch, Taumel, Tanz, Sprung, Fest, Ruf, Tag, -trunken, Träne, -strahlend, freudig, von Freude erfüllt sein.
Freudlos – das Wort wirkt schon traurig, ehe man es ganz ausgesprochen hat. Wer möchte schon ein „freudloses Leben“ führen? Vermutlich möchte das nicht ein einziger Mensch – und deshalb ist es an der Zeit, die Freude zu einem politischen Schwerpunkt ersten Ranges zu machen!      Freude, Freund, freuen, freien, lieben – alle Wörter gehen auf das gleiche zurück, „frei“ !! sein.
Auch die Begriffe „Freiheit“ und „Freude“ gehören zusammen.
Das bedeutet letztendlich:
Eine Gesellschaft, die nicht die Freude (aller) zum Ziel hat, bleibt letztlich eine unfreie Gesellschaft.

"Heureka" - Archimedes Ruf wird als "Ich habe es gefunden" übersetzt und gilt bis heute als Freudenruf. "Eureka" enthält das Wort "eu" , das uns in Euphorie und Euthanasie begegnet - "eu-" steht für  '"wohl", "gut", "schön", "reich". Euphorie ist ein Zustand  der "Hochstimmung", der "übersteigerten Heiterkeit" (Duden 7 - Herkunftswörterbuch).
Meint das, daß sich ein Mensch auch "übersteigert" freuen kann, "zu heiter" sein kann? Heiterkeit ist aus der Definition heraus nicht "übersteigerbar", was immer als "übersteigert" auftaucht, als unpassend fröhlich, ja vielleicht sogar als krankhaft (?) zu fröhlich, hat nichts mit dem zu tun, was philosophisch unter Heiterkeit zu verstehen ist.
 
 
6. Der Kabarettist ..
.. Eckart von Hirschhausen (übrigens  in seiner Haltung zur Arbeit auch ein "Zukunftsmensch": er ist nicht "nur" Arzt und nicht "nur" Kabarettist, er ist "beides zugleich") ist seit dem Herbst 2006 mit dem Programm "Glücksbringer" unterwegs. Er sagte in einer Talkshow, daß Glück trainierbar ist, und er hat die Idee, daß man ein "Glückstagebuch" führen sollte, in dem man alle glücklichen Momente aufschreibt. Er sagte auch:
"Nur, wer über den Dingen steht, kann sie belächeln."
 
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