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15. 03. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
Ein Zukunftsmodell stellt sich vor - Gibt es eine denkbar-machbar beste Zukunft?
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Vererben und Lehren
Über das Vererben des geistigen Reichtums


Das Bewahren, Entfalten und Weitergeben (Lehren) des geistigen Reichtums  ist die "Hauptbeschäftigung" der Menschen in der Zukunft.
(4. These, die philosophische, des Konzepts der "Heiteren Zukunft")

Im Gegensatz zum materiellen Reichtum, der an Grenzen der Machbarkeit und der Sinnhaftigkeit stößt, ist der geistige Reichtums prinzipiell unbegrenzt. Das Erwerben, Pflegen, Weiterentwickeln und die  Weitergabe dieses geistigen und praktischen, wissenschaftlichen und künstlerischen, kulturellen, handwerklichen und technischen Wissens und Könnens an die nächste Generation ist eine wundervolle Aufgabe für den einzelnen Menschen und die Menschheit insgesamt.

Die bisherige Haltung im Sinne von "Wissen ist Macht" (Wissen wird als Mittel zum Zweck der Beherrschung und Ausnutzung anderer Menschen mißbraucht.) wird abgelöst durch die umfassendere Position des "Wissen ist Beziehung" (In der Aneignung, Entfaltung und Weitergabe von Wissen im weitesten Sinne entfalten sich die besten Beziehungen der Menschen untereinander.).  

Deshalb lohnt es sich, die  Details diese völlig anderen Qualität des geistigen Reichtums einmal gedanklich durchzuspielen.

 
In ersten Ausführungen geht es um:

  Das Vererben des geistigen Reichtums
  Was du ererbt von deinen Vätern ...
zur Textstelle Eine  erste Schlußfolgerung
  Das Josef-Prinzip: Die Rolle der nicht-biologischen Väter
Volksweisheit Und eine weiterführende Seite, auf der ich eine kleine Sammlung mit Volksweisheiten über das Lehren, Erziehen und den Umgang mit der jüngeren Generation begonnen habe
Vererben des geistigen Reichtums
Stimmt, der geistige Reichtum, das Wissen, das Know-How, wird nicht "vererbt" wie der materielle Reichtum: geistiger Reichtum kann nur gelehrt und selbst angeeignet werden.
Selbst die "Aneignung", die "In-Besitz-Nahme" des materiellen Besitzes  kann hohe Anforderungen an den neuen Besitzer stellen, wie viel höher sind die Anforderungen an die Übernahme des geistigen Besitzes.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie besäßen eine kostbare Bibliothek und Sie wüßten genau, Ihre Kinder würden diese nach Ihrem Tod zerstückeln und verkaufen. Ihr Lebenswerk, das Zusammentragen dieser ganz besonderen  Bücher, an denen Ihr Herz hängt, würde von Ihren eigenen Kindern nicht geachtet werden! Würden Sie Ihre Kinder dann nicht lieber "enterben" und die Bibliothek einer Universitätsbibliothek oder einem Menschen zur Verfügung stellen, von dem Sie sicher sein könnten, daß er Ihr Lebenswerk achten und es fortsetzen wird?

Andererseits, kann man es Menschen verdenken, wenn sie keine Lust haben, den Besitz anderer zu verwalten und dafür in die Pflicht genommen zu werden?
Eine alte Dame erzählte mir folgende Episode aus ihrem Leben: Ihr Vater war ein wohlhabender Fabrikbesitzer vor dem 2. Weltkrieg, irgendwo in Ostpreußen. Ich habe vergessen, was das für eine Fabrik war, es war- glaube ich - eine Brauerei. Sie, die alte Dame, war das einzige Kind und sollte die Fabrik erben und weiterführen. Doch sie wollte lieber Krankenschwester werden. Dann kam das Kriegsende, die Flucht, sie verloren die Fabrik - und sie wurde Krankenschwester. Sie sagte, sie war nicht böse, daß  ihr die Fabrik verlorengegangen war.
Was du ererbt ...
Goethe  hat einmal formuliert: "Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen."   Unser Lehrer hatte damals ausdrücklich betont, daß  Goethe nicht den materiellen, sondern den geistigen Besitz der "Väter", nicht eines einzigen Vaters, meinte.

Mehr als die Aneignung des materiellen Besitzes ist die Aneigung geistigen Besitzes eine zeitaufwendige, anstrengende Sache. Jeder, dem dabei ein  richtiger, echter Lehrer zur Seite steht, kann viel Zeit und Mühe sparen. 

Materielle Besitz  stößt schnell an natürliche Grenzen, nicht nur durch die begrenzten Ressourcen, sondern vor allem an die Grenzen seiner Verwaltung und Beherrschbarkeit. Schon eine private Bibliothek von mehr als 2000  Büchern kann bei einem Umzug zur Verzweiflung führen. Auch ein Garten will betreut, ein Auto gepflegt, Schmuck sicher aufbewahrt, ein großes Haus geputzt und gewartet werden. Das alles kostet Zeit und Mühe. Nichts ist schlimmer als der Besitz von Dingen, die man gar nicht selbst benötigt: private Vermieter von Wohnungen  können ein Lied klagen von dem Ärger, den sie mit "ihren" Mietern oft haben. Das Maximal - Prinzip "besitzen so viel wie möglich" wird deshalb in der Zukunft aus Zweckmäßigkeitsgründen wohl oder übel abgelöst werden durch das "Optimal-Prinzip": "so viel und das besitzen, was ich tatsächlich für mich und meine Lebensplanung benötige".

Geistiger Besitz ist im Prinzip "unbegrenzt", vor allem, wenn man nicht den privaten Besitz bzw. Reichtum sieht, sondern den Besitz bzw. Reichtum der  ganzen Menschheit
Privatbesitz an leibliche Nachkommen zu vererben ist in der Geschichte die unüblichste Variante gewesen.  Vielfach gab es Gruppeneigentum. Selbst in der  Feudalgesellschaft war die Vergabe von Lehen auf Lebenszeit üblich. Die Katholische Kirche als eine der an materiellem Besitz reichsten Institutionen in der Menschheits-Geschichte schließt die Vererbung in der Blutsverwandschaft ausdrücklich aus und funktioniert nach dem Prinzip des Gruppeneigentums. Dessen eine Variante ist übrigens das genossenschaftliche Eigentum, die andere Variante ist die Aktiengesellschaft ...
eine erste Schlußfolgerung
Es ist abzusehen, daß in Zukunft  die Weitergabe dieses geistigen Reichtums an die nächste Generation wesentlich wichtiger sein wird als die Weitergabe des materiellen Reichtums.
Das Josef-Prinzip - die  Rollle der nichtbiologischen Väter
Wenn also die Weitergabe des materiellen Besitzes gegenüber der Weitergabe des geistigen Besitzes nur noch zweitrangig sein wird, dann steht auch die Frage der Blutsverwandschaft nicht mehr im Mittelpunkt. Die eigenen Kinder sind nur in Ausnahmefällen auch die geistigen Erben des eigenen Wissens. "Fremde" Kinder werden es sein, denen die Wissenden ihr Wissen weitergeben. So wie der Lehrer fremde Kinder unterrichtet, der Trainer nicht seine eigenen Kinder, sondern  "fremde" betreut, der Arzt fremde Menschen berät und ihnen hilft, so werden in Zukunft immer mehr Menschen damit beschäftigt sein, Wissen und Können weiterzugeben bzw. anderen mit ihrem Wissen zu helfen.

Die heutige Familienstruktur ist bereits so, daß viele Kinder nicht ständig mit ihren leiblichen Vätern zusammenleben. Für viele Männer, die sich auf Beziehungen zu Frauen mit Kindern anderer Männer einlassen, ist es ein besonderes Problem, auch zu diesen Kindern Beziehungen zu entwickeln. Andererseits kann man beobachten, daß in den vergangenen 30 Jahren die meisten Patchwork-Familien es gelernt haben, ganz locker mit dem Umgangsrecht umzugehen und viele Männer auch Freude am Umgang mit den nichtleiblichen Kindern haben.

Was bei allen Problemen der Vaterschaft von vielen Männern leider oft noch nicht erkannt wird: ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung ist wesentlich stärker, wenn sie Verantwortung für Kinder übernehmen, wenn sie die sozialen Beziehungen zu Kindern erleben dürfen (!). 

Wer die Erfahrung gemacht hat, sein Wissen und seine Fähigkeiten weitergeben zu dürfen,  ist stolz. Wer erlebt hat, wie die Kinder die Welt entdecken, entdeckt sie mit deren Augen noch einmal. ....

Weil diese nichtbiologischen Beziehungen von Männern zu Kindern wachsendes Gewicht in den gesellschaftlichen Beziehungen haben werden, weil Männer damit einen ganz neuen, wesentlich wichtigeren Platz als bisher (sie haben ja gegenwärtig in der Familie oft nur die Rolle des "Futterbeschaffers") in der Gesellschaft erhalten werden, ist es höchste Zeit, diese neue Rolle öffentlich zu diskutieren.

Das wird eines der Hauptanliegen dieser  Webseite sein.
Josef war der leibliche Vater Jesus, sagen die evangelischen Christen. Die katholischen Christen erzählen, Gott sei nicht nur symbolisch, sondern auch biologisch sein Vater gewesen. Böse Geschichtsschreiber haben die Legende in die Welt gesetzt - die vielen Christen, katholischen und evangelischen, unangenehm ist - daß der leibliche Vater von Jesus ein römischer Besatzungssoldat gewesen sei.
 
Wie auch immer, mir scheint Josef ein schöner Name für das Prinzip des nichtbiologischen Vater-Seins.

Es gibt sehr viele Filme, in denen die Rolle des nichtbiologischen Vaters gezeigt wird: wie Männer über sich hinauswachsen in der Verantwortung für ein "fremdes" Kind, wie sie sich selbst entwickeln in ihrer Verantwortung und wachsenden Beziehung  und Liebe zu diesem  kleinen Menschen. Sehr sehenswert ist z. B. der Weihnachts-Western aus dem Jahr 1948 "Three Godfather" bzw. "Spuren im Sand", in dem drei Räuber einer sterbenden Frau versprechen, sich um deren neu geborenes Kind zu kümmern.
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