Die Moral als Summe von Handlungsvorschriften Was ist erlaubt, was ist verboten - wer darf es vorschreiben?
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser. Heinrich Heine, aus "Deutschland. Ein Wintermärchen"
Handlungsvorschriften
Immer haben Menschen darüber nachgedacht und entsprechende Vorschriften erlassen, wie andere sich zu verhalten haben. Seit den paradiesischen Zeiten und den "10 Geboten" in der Bibel ist den Menschen nur bestimmtes Handeln erlaubt, anderes ist ihnen verboten. Wer darf entscheiden, was erlaubt und was verboten ist? Wie wird das in der Zukunft sein?
Wird die heute weit verbreitete Parole: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral." auch in Zukunft das Verhalten vieler Menschen prägen müssen?
Die polare Vorgabe der Handlungsvorschriften kennt nur diese beiden Möglichkeiten: entweder ist etwas Handlungspflicht oder es ist verboten. Der Zwischenraum "selbst entscheidbar" ist nicht vorgesehen. Sehr hübsch wird diese "Gegensatzmoral" im Witz nebenan deutlich.
Sagt die Mutter zur jungen Braut am Tag der Hochzeit: "So, und ab heute ist alles, was bis heute für dich verboten war, deine Pflicht."
... und Erlaubnis
Ein DDR-Systemkritiker, den Namen habe ich mir nicht gemerkt, formulierte es sinngemäß so:
"Ihre Verbote kann ich ertragen, unerträglich ist, daß sie glauben, mir etwas erlauben zu dürfen."