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15. 03. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
Ein Zukunftsmodell stellt sich vor - Gibt es eine denkbar-machbar beste Zukunft?
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Freß-Trieb
 
Der Freß-Trieb
Ein Beispiel für den möglichen zukünftigen Umgang mit unseren Trieben

Wie er ißt, so ist er.
(Volksmund)


Gerade jagt eine Nachricht durch die Medien, daß die Fettsucht zu einer "Epidemie" geworden sei, es schon mehr Menschen auf der Welt gibt, die zu viel essen gegenüber denen, die zu wenig zum Essen haben. Das zeigt, wie aktuell dieses Thema  ist.

Der Freßtrieb kann sehr gut als Beispiel herangezogen werden, wie Menschen mit ihren "Trieben" bzw. Bedürfnissen  umgehen können
:  weder ist es sinnvoll , sich seinem Freßtrieb hemmungslos auszuliefern, noch sind übertriebene Diäten und Hungerkuren als Beweis für Selbstbeherrschung und Charakterstärke sinnvoll.


Einige Gedanken zur Eß-Freiheit und ihren Grenzen:
 
  Aktuell: Schau dir an, was du ißt
  1. Der "Diät-Krieg" tobt
  2. Freiheitsgrade - die Freiheit zu essen kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein
  3. Selbstdisziplin ist gefragt
  4. Verbotene Früchte - sie schmecken besonders gut
  5. Die heimliche Verführung
  6. sonstige Einschränkungen
7. Hungern und Fasten
  8. Schlankheitswahn
  9. Dicksein und Fruchtbarkeit

Wie es in Zukunft aussehen kann mit dem "Freßtrieb" und seiner Befriedigung - darauf habe ich eine einfache Antwort:
So nicht!
So wie die Beispiele unten zeigen, kann es auf keinen Fall weitergehen: es ist - wie in allen Künsten - das "rechte Maß" zu finden. Doch zuerst hat die Menschheit wohl zu sichern, daß niemand mehr (ver-)hungern muß.
Aktuell Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen gibt den Tipp:
Sieh dir dein Essen an und frage dich "Möchte ich daraus bestehen?"
März 2009 in irgendeiner TV-Sendung
1. Der Diät-Krieg

Am 28. 8. 2006 brachte 3Sat ab 20.15 Uhr eine Sendung  "Der Diät-Krieg", in dem vor allem über die neue Welle des Kohlehydrateverzichts, die gerade aus den USA zu uns herüberschwappt, berichtet wurde.  Zwar wurde gefragt "cui bono?" - Wem nutzt es? und es wurde gezeigt, daß ernsthafte Ernährungswissenschaftler ausgegrenzt werden, wenn es um die Erarbeitung von  ernährungswissenschaftlichen Vorgaben geht. Die Sprecherin / Macherin des 45-Minuten-Filmes gab sich enttäuscht von der Wissenschaft, die außerwissenschaftlichen Interessen zu Kreuze kriecht.  Es ging auch einmal kurz um den riesigen Markt der Lebensmittel.

Sehr beeindruckend war der amerikanische Wissenschaftler, der anhand eines "Endlos-Papieres", das einige Millionen Jahre Entwicklung der Menschheit veranschaulichen sollte, aufzeigte, welche kurze Spanne der Mensch überhaupt Kohlehydrate ( Getreide, Körner, Stärke, Zucker)  als Basis der Ernährung verwendet - ganze 10 000 Jahre. Doch unser genetisches Programm ist aus der "Steinzeit". Damals waren  Beeren, Fleisch usw. die Hauptnahrung gewese - das scheinen die Wissenschaftler ganz genau zu wissen. Deshalb - so die Empfehlung - sollen wir heute auch die Kohlehydrate lassen und lieber Obst, Gemüse und Fleisch essen.

Eine Rechnung wurde in der Sendung nicht aufgemacht:
Um 2000 kcal Tagesbedarf zu kaufen, benötigt man
- für Kohlehydrate aus Getreide zwischen 0,50 und ca. 2 Euro
- für Fett zwischen 0,50 und ca. 2 Euro
- für Fleisch ca. 5 bis 10  Euro
- für sonstige tierisches Eiweiß ( Quark , Käse) ca. 2 bis 10 Euro
- für Obst und Gemüse  ( Eiweiß, Kohlehydrate) ca. 10 bis 20 Euro.

Was sagt diese Rechnung?
Wenn es gelingt, dem Bürger das Brot ab- und Fleisch und mehr Obst und Gemüse anzugewöhnen, kann man mit einem Umsatzplus der Nahrungsmittel insgesamt von mindestens 100 Prozent rechnen.

Wenn die Menschen wirklich erst vor 10 000 Jahren auf Kohlehydrate umgestiegen sind, dann muß man die Bedingungen dafür genauer untersuchen. Erst damals hatten die Menschen gelernt, die bis dahin unverdaulichen Kohlehydrate durch Hitze  (backen, rösten) aufzuschließen. Dann erwiesen diese sich offenbar als außerordentlich vorteilhaft! Denn durch den Anbau von  Getreide wurde die Ernährung planmäßiger und sicherer, der Zeitaufwand für die Nahrungsbeschaffung reduzierte sich, die Menschen gewannen "Freizeit" für andere Dinge.

Es steht zu vermuten, daß die eigentliche Menschwerdung - der Beginn der stärkeren geistigen, kulturellen und sozialen Entwicklung der Menschen -  mit dem Übergang zur Kohlehydrat-Ernährung zusammenhängt.

Wenn heute alle Menschen auf der Welt mit Obst, Gemüse und Fleisch statt mit Reis, Sojabohnen und Weizen ernährt werden sollten, welche Folgen hätte das?

 
2. Freiheits-Grade
Betrachtet man die Ernährungsmöglichkeiten verschiedener Zeitepochen, Kulturkreise und individueller Verhältnisse einmal unter dem Gesichtspunkt der Freiheitsgrade, die ein Mensch hat, zeigen sich folgende Etappen:

1. Freiheitgrad: der Mensch kann sich täglich satt essen.
Alles darunter ist unfrei: gelegentliche Nahrungsmittelknappheit, tägliche Knappheit oder sogar extremer Mangel bis zum Tod durch Verhungern sind Zustände, in denen der Mensch nicht frei ist.
Also ist die erste Stufe der Freiheit - was die Ernährung betrifft- , daß ein Mensch täglich die Möglichkeit haben muß, sich satt zu essen.

2. Freiheitsgrad: der Mensch kann sich die Lebensmittel in Grenzen aussuchen, mit denen er sich satt ist:
er hat z. B. die Wahl zwischen Brot- und Wurstsorten, Obst und Gemüse, er kann sich "Sondergerichte"  höherer Qualität zu Feiertagen usw.  leisten. Er kann etwas mehr als sich satt essen.

3. Freiheitsgrad: er kann so viel essen wie er will und er kann absolut unbeschränkt das essen, was er will.
Es gibt noch mehr Freiheitsgrade - man kann auch sagen: wie viele Wahlmöglichkeiten gibt es, nach welchen Kriterien kann gewählt werden:
- hungrig oder satt
- Zusammensetzung (Obst, Brot, Süßigkeiten, tierische Produkte)
- Gesundheitsgrad
- Geschmack
- Preis (billig oder teuer)
- einheimische Rezeptur oder exotische
- aus frischen Basisprodukten oder Fertignahrung
- eigene Zubereitung oder Kantine / Gaststätte
 
3. Selbstdisziplin ist gefragt
Ab hier wird es problematisch. Denn nun muß  er seine bisher durch die äußeren Zwänge automatisch eingeschränkte Möglichkeit, seinen Freßtrieb zu befriedigen, selbst einschränken. Tut er es nicht, wird er mehr Nahrung aufnehmen, als für ihn gut ist, er wird immer fetter und kranker werden. In dieser Phase muß also der Mensch lernen, seine gegebenen Freiheiten selbst einzuschränken. Selbstdisziplin ist gefragt. Wie lernt man Selbstdisziplin beim Essen? - Das scheint die große Frage der Gegenwart zu sein.

Man kann es auch anders ausdrücken: die "Epidemie" der Fettleibigkeit ist ein Ausdruck mißbrauchter Freiheit bzw. mangelnder Selbstdisziplin des Menschen. Und das ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern vor allem ein historisches, und es gilt nicht nur für die Nahrungsaufnahme, sondern für alles, was der Mensch tut: Die Menschen, die Jahrtausende mit dem Notwendigsten auskommen mußten, müssen lernen, mit dem Überfluß zu leben.
Die Lösung dieses Problems ist auf verschiedenen Wegen möglich: einer - der heute praktizierte - ist die gesellschaftliche Ächtung der Menschen, denen diese Selbstdisziplin noch nicht gelingt. Doch das  macht den Betroffenen das Leben nur noch unerträglicher, es hilft ihnen nicht im geringsten.
Diese gesellschaftliche Ächtung kann man auch als Beispiel für das heute aktuelle "Konzept der Freude-Vermeidung" sehen - siehe dazu auch  in "atomisierte Welt" >
Ernst d. Lebens
4. Verbotene Früchte
Es gibt Nahrungsmöglichkeiten, die dem Menschen nicht wirklich gut tun. Diese kommen auf eine Art "Verbotsliste": der Mensch bekommt gesagt, diese seien zu meiden oder einzuschränken. Andererseits wird ausgerechnet für diese Produkte sehr intensiv geworben, bzw. ist die Versuchung besonders groß, diese zu kaufen.

Eine Geschichte kann ich nur sinngemäß wiedergeben und auch nicht mehr sagen, von wem sie ist:
Es soll einmal eine junge Dame aus vornehmen Haus in einer Zeit, als Speiseeis noch zu den extremen Luxusgütern zählte, an einem heißen Tag unter einem kühlen Baum gesessen haben und ein Schälchen köstlichen Fruchteises gelöffelt haben. Dabei soll sie gemurmelt haben:
"Schade, daß das nicht verboten ist!"

Man denke sich sein Teil ....
 
 
5. Die heimliche Verführung
Bekannt sind die Tricks der Chips-Hersteller, die  es verstehen, die Menschen dazu zu bringen, erst mit dem Essen wieder aufzuhören, wenn die Tüte leer ist. Bekannt sind auch die Tests mit Kindern, denen durch künstliche Aromen veränderte Nahrungsmittel besser schmecken als die mit den natürlichen Aromastoffen.
 Wie frei ist ein Mensch, der mit Geschmacksverstärkern und ausgeklügelten künstlichen Aroma-Kombinationen direkt süchtig nach bestimmten Lebensmitteln gemacht wird?   
 
 
6. sonstige Einschränkungen
Es gibt natürlich Situationen, in denen der Mensch "gezwungen" ist, aus einem anderen Interesse heraus seine Eßfreiheiten einzuschränken:
- der Diätenwahn zeigt es: wenn der Mensch schon genug gesündigt hat und nun  wieder abnehmen will
- Diäten aus gesundheitlichen Gründen: wegen bestimmter Krankheiten oder sonstiger körperlicher Belastungen empfiehlt sich eine bestimmte Kost oder eine andere muß dringend gemieden werden. Die betroffenen Menschen haben, wenn sie sich nicht daran halten, mit härteren Konsquenzen zu rechnen als der "normale" Mensch. Beste Beispiele sind Zuckerkrankheit und bestimmte Nahrungsmittelalergien
- bestimmte körperliche Belastungen oder Besonderheiten wie Sport oder schwere körperliche Arbeit, Schwangerschaft oder Kälte und Hitze können ebenfalls zu Einschränkungen der normalen Eß-Freiheit führen.

Ich denke, das wichtigste ist es, solche "Grundsatzfragen" zu diskutieren, damit die Menschen aus dem rationalen Verstehen der Zusammenhänger heraus ihren Willen stärken können, das für sie vernünftige zu tun oder das unvernünftige zu lassen.
 
7. Hungern und Fasten
Eigentlich hat die Kirche mit ihrer Idee des vorösterlichen Fastens eine wunderbare Situation geschaffen:
In dieser Zeit wurden die Lebensmittel - insbesondere nach einem harten Winter oder nach Mißernten im vergangenen Jahr - meinst knapp und die Menschen hatten nicht mehr genug zu essen. Das Essen wurde rationiert, manch einer mag verhungert sein.

Nun kam die Kirche und sagte: es ist gottgefällig und gut, wenn Ihr eine Zeitlang - vierzig Tage - fastet.
Damit erwiesen sie den Menschen einen Riesendienst:
das zwangsweise Hungern wurde nun überführt in ein freiwilliges Nicht-Essen bzw. Wenig-Essen.  Nun konnte man stolz sein, wenn man stark genug war, der Versuchung nicht zu erliegen.

Die Gegenwart zeigt es: die Fastenwelle - die etwas völlig anderes meint als diesen Diätenwahnsinn! - erlebt einen neuen Aufschwung. Viele Menschen nehmen dieses Möglichkeit verstärkt wieder an, um ihre Eßgewohnheiten und sonstigen Gewohnheiten in diesen Tagen besonders zu überprüfen und einzuschränken. Der eine raucht in dieser Zeit nicht, der ander verzichtet auf Fleisch oder Süßigkeiten, der eine läßt sein Auto stehen, ....

Ich denke, solche "Fastenzeiten", solche Zeiten des bewußten Umgangs mit den eigenen Gewohnheiten, Schwachheiten und Dummheiten, sind außerordentlich brauchbare "Keime des Neuen".
 
 
8. Schlankheits-Wahn
Der  Versuch, Freßtrieb zu disziplinieren, hat inzwischen bei jungen Mädchen die verheerendsten Folgen. Nun war gerade im Fersehen zu hören, daß es einen Versuch gegeben hat, eine Vorgabe für den BMI für Models  zu machen: er soll nicht unter 18 liegen. Naomi Campbells BMI liegt bei 16. Die "Model-Bilder", die das Fernsehen  zu dieser Nachricht zeigte, waren einfach nicht mehr vorstellbar. So sehen verhungerte Leichen aus. Das brasilianische Top-Model Anna Carolina Reston, starb am 14. 11. 2006 an den Folgen der Magersucht. Sie wurde 21 Jahre alt.
In einer dieser Fernsehserien über reiche und schöne Menschen sagte eine dieser magersüchtigen Mädchen zur Freundin: "Du weißt doch - man kann nie reich genug und nie schlank genug sein!"

Das ist eine schöne Kopplung von Freßtrieb und Besitztrieb: Das Ideal ist, beide ins Extrem zu treiben: zu wenig essen und zu viel besitzen.

Welche Logik steht dahinter?
MBI - Body Mass Index:
Körpergewicht in kg/ Quadrat der Größe in m; normal für Mädchen ist  ein Wert um die 22

Am Rande:
Sa. abend, der 2. 12. 2006, auf der Straße in Wittenberg. Im Vorbeigehen höre ich ein Mädchen sagen: "Ich habe heute erst eine halbe Paprika und eine Mandarine gegessen." Die andere erwidert: "Ich hab diese Woche noch gar nichts gegessen."
 
9. Dicksein und Fruchtbarkeit
Sarah Blaffer Hrdy schreibt in ihrem Buch "Mutter Natur - die weibliche Seite der Evolution" über den Evolutionsvorteil der Säugetiere bzw. der "Laktation", der Fähigkeit, relativ unabhängig von der Umwelt und dem schwankenden Nahrungsangebot die Jungen aufzuziehen. Voraussetzung der Milchproduktion war und ist die Fähigkeit der Bildung von Fettreserven.
Auch die normale Fettspeicherung für Winterzeiten waren ein Überlebensvorteil.

Heute ist es vielleicht in unseren Kulturkreisen nicht mehr nötig, Fettreserven anzulegen, da Nahrung gleichmäßig übers ganze Jahr zur Verfügung steht, aber in anderen Gebieten kann diese Fähigkeit, ein zeitweiliges Nahrungs-Überangebot zu bestimmten Zeiten in Form von körpereigenem Fett für die Notzeit vorrätig zu halten, noch immer ein Überlebensvorteil sein.

Es ist erstaunlich, wenn man diesen Text gelesen hat, daß diese Fakten und Zusammenhänge von Fettanlagerung und Fähigkeit, ein Kind auszutragen und zu  stillen, nicht viel stärker öffentlich bekannt gemacht werden.

Der Text zu einer Abbildung  der "Grimaldi-Venus" lautet beispielsweise:
"Ob Fett nun ein feministisches Thema ist oder nicht, auf jeden Fall hängt es mit der Fortpflanzung zusammen. Die menschliche Fantasie feiert schon seit langem den Zusammenhang zwischen Fett und Fruchtbarkeit wie in dieser 25000 Jahre alten Statuette namens Grimaldi-Venus."

Nun kann man sich vielleicht langsam ausrechnen, was es für die Fortpflanzung der Deutschen bedeutet, wenn die meisten jungen Mädchen alles vermeiden, was das Training dieser Fettanlagerungsfähigkeit betrifft.
Die   mehrere Seiten umfassenden Details dieser Erkenntnisse um den Vorteil der Fähigkeit zur Fettanlagerung finden Sie auf den Seiten 154 bis 163 in dem genannten Buch in der Ausgabe Juni 2002 des BvT Berliner Taschenbuch Verlags GmbH Berlin,
ISBN 3-442-76085-2
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