| Ist-Zustand |
In der Gegenwart sind viele Menschen einsam oder leben in unfreien, unglücklichen Beziehungen. Eine der Ursachen ist die gesellschaftliche Fixierung auf ein ehe-gebundenes, heterosexuelles, monogames Leben. Obwohl die Praxis zeigt, daß aus diesem unnatürlichen Konzept (der Mensch ist biologisch nicht monogam determiniert) viele Beziehungsprobleme und noch mehr Einsamkeit und Beziehungslosigkeit resultieren, wird von den politischen Konzepten her keine wirkliche Erweiterung der Lebensformen zugelassen.
Doch die Voraussetzungen reicher Beziehungen sind einerseits individuelle Wahlmöglichkeit (Welche Beziehungen möchte ich eingehen? ) und andererseits Vielfalt der Realisierungsmöglichkeiten. Eine zeitliche Wahlmöglichkeit (z. B. sich nicht festlegen müssen auf eine prinzipiell "lebenslängliche" Beziehung statt der heute üblichen Abwertung kürzerer Zeiträume des Zusammenlebens mit beispielsweise Bemerkungen über eine "gescheiterte" Ehe ...) gehört ebenfalls zum Zukunftskonzept freier Beziehungen. | Pardon, auch die sogenannte "Homo-Ehe" ist keine wirkliche Erweiterung von Beziehungs-Freiheit, sie ist nur die Übertragung des überlebten traditionellen Ehekonzepts (dessen einziger Vorteil wohl nur noch im Steuerrecht und Erbrecht besteht) auch auf Menschen, die bisher außerhalb dieser Vorgaben standen. |
| Zukunfts-Konzept und Beziehungen |
Deshalb wird ein tragbares Zukunftskonzept diese individuelle Wahlmöglichkeiten und die Vielfalt der Beziehungsmöglichkeiten als Hauptziel von Gesellschaftsplanung beinhalten müssen. | |
| Gruppenleben fördern |
Ich will es vorerst nur an einem ersten Beispiel veranschaulichen:
Immer mehr Menschen leben eigentlich in zeitweiligen Gruppen: ob Internat, Kaserne, Wohngemeinschaft. Auch alleinlebende Senioren entdecken die Vorteile von Senioren-WGs. Doch diese Form des Zusammenlebens wird nicht nur nicht gefördert, sondern regelrecht bekämpft:
Die erste Stufe, die erste Variante dieses freien Gruppenlebens, die unehelichen Lebensgemeinschaften, haben am meisten darunter zu leiden.
Will man jedoch auch politisch solche Bedingungen schaffen, die den Menschen die Möglichkeit geben, so zu leben, wie sie es wirklich wollen, müssen diese neuen Gruppenformen des Zusammelebens mehr gefördert werden.
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Das meint in erster Linie, Gruppenleben steuerlich stark zu begünstigen! Was an Steuern nicht eingenommen wird, kann dann andererseits an den heute noch hohen Folgekosten der Einsamkeit (der Kosten für die "Schadensbegrenzung" wie z. B. psychische Behandlungen) eingespart werden.
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Das meint auch, solchen Wohnungsbau zu fördern, der dem Gruppenleben angepaßt ist. Bisherige Wohnstrukturen sind - mit Ausnahme von Krankenhäusern, Kasernen, Internaten - fast völlig auf monogame Beziehungen zugeschnitten. Diesen Formen des Wohnungsbaus sollten im öffentlichen Wohnungsbau und durch Förderung privater Bauunternehmer bzw. der Gruppen, die zusammen leben wollen - ähnlich dem früheren staatlichen Zuschuß für den Eigenheimbau - gefördert werden. |
Diesem frei gewählten Gruppenleben, das auch den Grad der Beziehung individuell und fließend regeln kann, möchte ich die Gegenwart des zwanghaften Zusammenlebens in Mietwohnungen gegenüberstellen: wie viel Unfreiheit, wieviel Streß, Ärger, Einschränkungen ergeben sich in vielen Fällen einzig und allein aus der Tatsache, daß die Mieter eines Hauses nicht mitbestimmen dürfen, welche neuen Mieter ins Haus einziehen.
Natürlich muß auch über Mißbrauchs-Möglichkeiten diskutiert werden. Das ist jedoch eine so allgemeine Frage, daß sie es verdient, später an anderer Stelle ausführlicher behandelt zu werden. |
| Das Konzept der Nächstenliebe |
Diese Konzeptidee des Beziehungsreichtums als erlebter Freude und genossenen Glücks, als Ansporn für Selbstvervollkommnung und Entwicklung, für Hilfesbereitschaft und Anteilnahme nimmt seine wesentliche historische Wurzel aus dem Ethik-Konzept des Religionsgründers Jesus von Nazareth:
"Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst."
Ich formuliere diese Basislehre christlichen Religionsverständnisses bewußt so, daß auch Nicht-Christen sie
zumindest für diskussionswert erachten können. Ich habe einige sehr spannende Diskussionen über diesen Satz erlebt - und kann nur bestätigen, daß er bis heute heftigste Auseinandersetzungen heraufbeschwören kann.
Gerade die "Klassenkampf-Lehre" des Sozialismus-Kommunismus hatte jahrzehntelang für den Begriff der "Liebe" keine Verwendung.
Für mich spannend ist nur, daß die Ideen von Marx und Engels einerseits und die christliche Morallehre andererseits hier sich verbünden - können.
Daraus ergibt sich auch mein Gedanke, daß die christlichen Kirchen, wenn sie wirklich eine Zukunft, eine zukünftige Daseinsberechtigung und eine Bedeutung für die Menschen auch in der Zukunft haben wollen, gut beraten sind, von der bisher eher nachlässigen Umsetzung dieses Konzepts der Nächstenliebe
endlich abzugehen und diese Idee konkret und konsequent in Zukunftsgestaltung einzubringen haben - theoretisch und praktisch. |
Liebe Christinnen und Christen, die Sie sich mit großem Fleiß und Engagement in Suppenküchen, Kleiderkammern, Obdachlosenasylen, Hilfsorganisationen für die Not in der Welt usw. engagieren -
Verzeihen Sie mir die harte Schlußfolgerun in diesem Abschnitt. Natürlich weiß ich von Ihrem Engagement. Doch ich sehe auch, daß Sie sich noch so sehr anstrengen können, eine Verschlimmerung der Probleme haben Sie nicht verhindern können und von einer Lösung sind wir weiter entfernt als je zuvor. Ich glaube, ein Umdenken ist nötig, damit Ihre Arbeit in Zukunft nicht weiter eine Sisyphus-Arbeit bleibt. |
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