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15. 03. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
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Das Gesetz des Wechsels der Arbeit
Zusammenspiel von ökonomischer Notwendigkeit und Selbstenfaltung des Menschen
    
oder:
Der Wechsel der Tätigkeiten als gesellschaftliche Notwendigkeit und individuelle Bereicherung  
Fast niemand kennt das "Gesetz des Wechels der Arbeit". Es ist das "Basisgesetz der Arbeit" , das "Bewegungsgesetz der menschlichen Arbeit" schlechthin.  Wenn man es jedoch kennt, sieht man, wie es gegenwärtig in einer bisher nicht beobachtbaren Breite und Komplexität wirkt:
Mit anderen Worten:

Wenn man die Arbeitsprozesse der Gegenwart beherrschen will, muß man dieses Gesetz kennen!

Wirkt es jedoch unbewußt, ohne daß wir Einfluß darauf nehmen, sind seine Auswirkungen chaotisch und zerstörerischDie gegenwärtige Krise der Arbeit ist letztlich das Ergebnis der Tatsache, daß dieses Gesetz  ignoriert wird.

Auf dieser Seite stelle ich einige erste Gedanken  über dieses Gesetz zusammen. Wenn Sie es sich ansehen, werden Sie sicher merken, daß es Ihnen helfen kann, die heutigen Prozesse besser zu durchschauen. 


Hier die ersten Gedanken:

 
  1. Gesetze in Physik und Gesellschaft - ein Vergleich
  2. Beispiele für die spontan-empirische Anwendung dieses Gesetzes
  3. Arbeitsteilung  - der Reichtum der Tätigkeitenvielfalt
  4. Beruf - jemand, der "nur eins kann"
  5. Maschinenstürmer damals und Gewerkschaften heute
  6. Ein Zitat : Marx über das "Gesetz des Wechsels der Arbeit"
  7.Zwei zu eins machen
1. Gesetze in Physik und Gesellschaft
Ein Vergleich soll zeigen, was ich mit der "chaotischen und zerstörerischen Wirkung" meine, mit der das "Gesetz des Wechsels der Arbeit" gegenwärtig "zuschlägt:

Das Gravitationsgesetz wirkt zwischen allen massetragenden Körpern - immer. Wir Menschen haben gelernt, es zu beherrschen. Wir können Treppen steigen, springen, Fallschirm springen, sogar fliegen. Doch wehe, wir passen nicht auf, beachten seine Wirkbedingungen nicht - dann kann es passieren, daß wir die Treppe herab oder aus dem Fenster stürzen.

Auch die Wirkungszusammenhänge in der Gesellschaft könne, wenn sie beherrscht werden, allen Menschen zum Vorteil gereichen. Kennt man sie nicht oder ignoriert sie, passiert das gleiche wie oben: die Gesellschaft "stürzt ab".
 
Beispiele
     Als ich eine Zeit lang im Außendienst eines Großhändlers arbeitete, hatte ich einen sehr netten Kollegen. Früher war er Koch auf einem Frachtschiff gewesen und monatelang über die Meere geschippert. Doch dann kamen Familiengründung, Kinder und der Wunsch, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen. Also heuerte er ab und suchte sich diese andere Arbeit. Doch die Sehnsucht blieb ....
      So nahm er eines Tages seinen ganzen Urlaub - vielleicht auch noch ein paar Tage unbezahlten Urlaub dazu - und fuhr mit seinen alten Kollegen wieder übers Meer, nicht als Gast oder Tourist, nein, er übernahm die Urlaubsvertretung für den Schiffskoch.

   Früher war es üblich, daß der Handwerksgeselle nach der Lehre auf Wanderschaft ging. Durch den Wechsel der Arbeitsstelle lernte er verschiedene Techniken und Herangehensweisen kennen.
 
 
Arbeits-Teilung
      Seitdem die Arbeitsteilung  "erfunden" wurde, gab es immer auch Menschen, die parallel in mehreren Bereichen tätig waren:
Sokrates, der bildhauerisch tätige Philosoph oder philosophierende Bildhauer ist ein Beispiel.
       Es gibt Ärzte, die singen,  Manager, die Körbe flechten, Ingenieure, die als Biobauern oder Tischler nebenbei arbeiten.  Wohlgemerkt, diese Zweittätigkeiten machen sie durchaus gewerbsmäßig: sie verkaufen ihre Produkte, sie arbeiten nicht nur zum eigenen Vergnügen, als Hobby.    Und es gibt Mütter, die "nebenbei" noch den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder erarbeiten müssen.
      Ursprünglich war trotz Arbeitsteilung in der Gruppe viele in der Lage, mehrere Tätigkeiten parallel durchführen zu können. Auch mein Großvater, der Dorfstellmacher, war gleichzeitig Bauer, während es  andererseits Bauern im Dorf gab, die nichts anderes konnten, nur Acker bestellen und Vieh versorgen.  Diese "Spezialisierung" der Tätigkeiten war notwendig, da das Wissen für eine richtige Ausübung einer Tätigkeit immer größer wurde und die "Lehrzeit" immer länger. Es gibt auch heute noch Tätigkeiten, die man erst in 7 Jahren (Geigenbauer) oder mehr lernen kann : ich erinnere an die Trommler und Medizinmänner in Afrika, auch der japanische  "Kiesrechenmeister"  benötigt für das Erlernen der Fertigkeiten 12 Jahre!
 
Beruf
   In der Sprache eines Naturvolkes  heißt "Beruf" wörtlich übersetzt: "der nur eines kann".
        Der "Beruf" der Mutter  umfaßt übrigens Tätigkeitsbereiche folgender Berufsgruppen: Köchin, Reinigungstechniker, Ernährungsberater, ggf. Gärtnerin, Innenarchitektin, Krankenschwester, Kinderpsychologin, Lehrerin, Managerin, Motivationstrainer, Friedensrichter usw. Wehe, sie versagt in einem einzigen davon - das kann die Familie in Gefahr bringen.
    War es  jahrhundertelang möglich, in einem einzigen Beruf lebenslang bei gleicher Tätigkeit seinen Lebensunterhalt abzusichern, ist heute der "ständige Wandel" zum Prinzip geworden: selbst in ein und demselben Beruf muß man ständig lernen, moderne Techniken, neues Wissen aufnehmen. Noch krasser wird es, wenn ganze Berufsgruppen nicht mehr  benötigt oder in einzelnen Berufen durch moderne Technik nur noch ein Bruchteil der früher benötigten Anzahl von Arbeitskräften erforderlich sind (z. B. Telefonistin, Bankangestellter, Automobilbauer, Versicherungs-Angestellte).  Dann ist ein "Wechsel der Arbeit" dringend notwendig.   Ein Beruf allein genügt den zukünftigen Anforderungen nicht mehr.

     Wenn man nun jedoch sieht, wie die Arbeitsagenturen völlig chaotisch und uneffektiv diesen "Berufswechsel" organisieren, fragt  man sich, wie diese Organisation effektiver werden kann. Wichtig ist als erste Voraussetzung, diesen Wechsel der Tätigkeiten nicht als notwendiges Übel  zu sehen und ihn dann und dort zu betreiben, wo Menschen, die arbeitslos wurden, wieder "irgendwie" in Arbeit gebracht werden müssen. .... (wird fortgesetzt)
Ich weiß nicht mehr genau, welches Volk das ist, doch ich finde die Notiz sicher irgendwann wieder
Maschinen-Stürmer damals ... 
...  und Gewerkschaften heute  

    Als die Handwebststühle durch die die industriellen Webstühle abgelöst wurden, verloren viele Menschen ihre Lebensgrundlage und sahen das Übel in den Maschinen. Deshalb versuchten sie, diese zu zerstören. 

      Viele Aktionen der Gewerkschaften heute erinnern an diese Zeit: es ist völlig widersinnig, gegen den Arbeitsplatzabbau in bestimmten Bereichen zu kämpfen. Das ist das Wesen der Marktwirtschaft, Arbeit immer effektiver zu machen! Dieser Arbeitsplatzabbau ist eine Auswirkung des "Wechsel der Arbeiten", der fordert: es ist notwendig für das Funktionieren der Gesellschaft, daß Menschen eine nicht mehr benötigte Tätigkeit aufgeben und eine  andere, neue, benötigte Tätigkeit aufnehmen.  

    Mit dem Kampf gegen Arbeitsplatzabbau wird gegen dieses Gesetz verstoßen, ohne daß man irgendetwas ändern kann. Es ist ein sinnloser und vom Prinzip her aussichtsloser Kampf! Man sollte meinen, die Gewerkschafter wären klüger als die Maschinenstürmer. Sie sollten einmal über das Gesetz des Wechsels der Arbeit nachdenken!
(wird fortgesetzt)
 
ein Zitat
    Die Tatsache, daß der "ständige Wandel" das Prinzip moderner Arbeitsorganisation ist, hat ein gewisser Karl Marx erkannt und analysiert. Obwohl seine Arbeiten insgesamt sich mit diesem Prinzip befassen, hat er es meines Wissens nach nur an einer Stelle explizit "Das Gesetz des Wechsels der Arbeit" genannt.

   (Komischerweise urteilen viele über ihn ohne zu wissen, worin seine historisch-wissenschaftliche Leistung überhaupt besteht. Ich hoffe, in Ihnen, lieber Leser dieser Zeilen, einen vorurteilslosen Menschen zu finden, der erst prüft und dann urteilt.)

Hier die Aussage von Marx:
 
 
    "Wenn aber der Wechsel der Arbeit sich jetzt nur als überwältigendes Naturgesetz und mit der blind zerstörerischen Wirkung eines Naturgesetzes durchsetzt, das überall auf Hindernisse stößt, macht die große Industrie durch ihre Katastrophen selbst es zur Frage von Leben oder Tod, den Wechsel der Arbeit und daher möglichste Vielseitigkeit der Arbeiter als allgemeines gesellschaftliches Produktionsgesetz anzuerkennen und seiner normalen Verwirklichung die Verhältnisse anzupassen."
Ich bringe hier nur einen kleinen Auszug aus der wichtigen Textstelle - das ausführlichere Zitat finden Sie in Allgemeines >
Fremdtexte >
Marx 
Zwei zu eins machen:
      Das eigentlich spannende an dieser Erkenntnis ist, daß sie die Verbindung einer ökonomischen mit einer außerökonomischen „Größe“ darstellt:
-  der ökonomischen Größe effektive Arbeit
und der
-  außerökonomische „Größe“, dem allseitig gebildeten, ständig lernfähigen, selbständig handlungsfähigen, verantwortungsbewussten, vielseitigen Arbeiter (körperliche und geistige Arbeit )

         Die Erkenntnis von Marx besagt nun, daß diese Verbindung beider Seiten die Basis für weiteren wirtschaftlichen Erfolg bedeutet. Mit anderen Worten: die allseitige Entwicklung des Menschen, die volle Entfaltung seiner Individualität, seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten, die "Selbstverwirklichung" ist Voraussetzung für die Effizienz der Wirtschaft.
         Erstaunlich, dieses Wissen ist nun schon fast 150 Jahre alt und bis heute gibt es nur sehr wenige Menschen, die es überhaupt verstanden haben.

        Noch eine Bemerkung sei mir in diesem Zusammenhang gestattet: Man kann dieser Erkenntnis ignorieren, leugnen, man  kann Marx dafür schlechtmachen und beschimpfen - das alles nützt nichts: sie ist wissenschaftlich unanfechtbar wie die Tatsache, daß der Apfel vom Baum herunter auf die Erde fällt: das kann man auch nicht dem Newton zum Vorwurf machen.
        Wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber  gibt es nur zwei Möglichkeiten, sich zu verhalten: man ignoriert sie, dann fällt man. Oder man akzeptiert sie und nutzt sie aus. 
    Ich denke, es ist höchste Zeit, sich den Erkenntnissen von Marx wissenschaftlich, also objektiv und ohne Vorurteil zu nähern....
 
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