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15. 03. 2009
Gänseblümchen
Heitere Zukunft
Ein Zukunftsmodell stellt sich vor - Gibt es eine denkbar-machbar beste Zukunft?
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Der Preis des Krieges


Den meisten Menschen ist nicht im geringsten bewußt, welchen Preis die Menschheit für alle diese Kriege um Macht und Reichtum bezahlt.
Man sage nicht, es gäbe ja auch Religionskriege. Da dieselben Religionen, die sich in einem Teil der Welt heftigst bekriegen, in anderen Teilen der Welt friedlich nebeneinander existieren können, ist der Zusammenhang zumindest fragwürdig. Sieht man sich die Geschichte der Religionskriege genauer an, werden auch dahinter immer   die gleichen Interessen sichtbar wie bei den "gewöhnlichen Eroberungskriegen": Macht, Reichtum, Besitz, Einfluß, Bekämpfung von Konkurrenten, ...

Ich will an dieser Stelle auf eine Fernsehsendung und ein Buch zu dieser Fernsehsendung aufmerksam machen:
                                               Der Preis des Krieges
war der Titel einer Sendung in 3Sat aus Anlaß des "Anti-Kriegstages" am 1. September 2006.
Angekündigt wurde sie auf der Website von 3Sat mit:

"Worin besteht der Preis des Krieges? Dieser Frage geht die Dokumentation von Karin Bock nach, sie beleuchtet Forschung und Entwicklung der Rüstungsindustrie sowie deren Gewinne, die Kosten des Wiederaufbaus und den Einfluss auf die Weltmärkte."
 
1. Einzelne Fakten aus Film und Buch
  2. Ist ein Ausweg denkbar?
  3. Quellenangaben zum Buch
1. Einzelne Fakten aus Film und Buch Ich stelle diese Fakten wahllos und unkommentiert zusammen:  
"Der Preis des Kriegs ist der, den ein Land bereit ist zu bezahlen, um einen bestimmten politischen Nutzen zu ziehen."

"Für 10.000 im Golfkrieg eingesetzte Streubomben könnte man über zehn Millionen Kinder gegen Polio, Masern und Tetanus impfen."

"Die kumulierten Staatsschulden aller Entwicklungsländer betrugen 2002 nur das Doppelte der öffentlichen Verschuldung Frankreichs."

"Rüstung statt Entwicklungshilfe
Ein paar Fakten zur Veranschaulichung der Materie: Die Abwehr der terroristischen Bedrohungen ließ 2003 die Rüstungsausgaben weltweit um elf Prozent auf 956 Milliarden Dollar steigen. Die reichen Industrienationen gaben damit zehnmal soviel für Rüstungen wie für Entwicklungshilfe aus. 2003 fielen insgesamt 625 Menschen Terrorattacken zum Opfer, elf Millionen starben an Infektionskrankheiten."

Über die hochverschuldeten Entwicklungsländer heißt es:
"Im Jahr 2004 starb wegen der Verschuldung alle fünf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren."

"Als reine Kriegsgewinner haben sich die großen privaten Militärfirmen entpuppt. Ihre Erfolge sind so groß, dass sie immer mehr werden. Mittlerweile operieren über 90 private Militärfirmen in 110 Länder, sie stellten die zweitgrößte Armee im Irak. Der Umsatz wird auf über 80 Milliarden Euro jährlich geschätzt, bis 2010 wird eine Verdoppelung prognostiziert."
Diese Zitate sind aus der Website von 3Sat vom 1. 9. 2006
 

"Für die Hälfte der Weltbevölkerung heißt die brutale Wirklichkeit: als Kuh ginge es dir besser. Die europäische Durchschnittskuh bekommt vom Steuerzahler täglich 2.20 USD an Subventionen und anderen Hilfen. Inzwischen leben 2,8 Milliarden Menschen in den Entwicklungsländern der Welt von weniger als zwei Dollar täglich."

aus der alten Frameworx-Seite von 2006 - "Kolumne zum Film"
aus dem Interview mit Prof. Ruf,
S. 31 - 49
"Erschießen wir den Frieden?"

"Wohin werden sich Kriegswaffen und Kriege entwickeln?
Ich denke, das ist sehr wichtige Frage. Krieg hat sich enorm auseinanderentwickelt. Wir Politologen sprechen dann von asymetrischen Konflikten und asymetrischer Kriegführung und in der Tat kann ein nicht hoch industrialisiertes Land keinen Krieg mehr gewinnen. Es gibt Abstandswaffen, es gibt elektronische Waffen, es gibt intelligente Waffen, die den Gegner verteidigungsunfähig machen, bevor man ihn überhaupt erreicht hat oder bevor man ihn zu vernichten sucht. Das ist eben jetzt eine Kriegführung, wo jeder im Vorhinein weiß, wer den Krieg gewinnen wird. Das war beispielsweise im Jugoslawienkrieg so wie es im Irak Krieg jetzt ist. Die Kehrseite der Medaille ist das man - Präsident Bush hat das ja vor anderthalb Jahren schon erklärt, das der Krieg zu Ende sei - dass man einen Krieg zwar militärisch gewinnen kann, damit aber keinen Frieden erreicht.
Diese Art der Kriegführung, die so ungleichgewichtig ist und auf Seiten der anderen Partei ungeheure Opfer fordert, führt dann zwangsläufig in Bürgerkriegssituationen, wie wir sie jetzt in Afghanistan haben, wie wir sie im Irak haben und wie wir sie am Balkan haben würden, wenn die Truppen beispielsweise in Bosnien oder im Kosovo abgezogen würden. Militär ist gar nicht mehr in der Lage, einen dauerhaften Frieden zu stiften, weil durch diese Art der Kriegsführung so viele Verletzungen passieren, so viel Hass erzeugt wird, dass der Konflikt damit nicht zu Ende gehen kann. Das war früher anders, als auf dem Schlachtfeld - übrigens ein wunderschöner Terminus, wenn man ihn sich auf der Zunge zergehen lässt - die Truppen gegenüberstanden und wer gewonnen hatte, hatte gewonnen und wer verloren hatte, hatte verloren. Und man hat irgendwo einen Friedenschluss gemacht. Das wurde noch unter Militär ausgetragen, jetzt sind die Opfer von Kriegen - und das hat auch mit meinem Eingangsstatement zu tun - fast nur noch die Opfer von Zivilisten."

"Wieviel Geld geht eigentlich wirklich in den Wiederaufbau?
Das ist natürlich auch eine sehr ambivalente Geschichte. Wenn Sie beispielsweise den Irak anschauen, wo Firmen wie Halliburton und Bectil den Wiederaufbau machen. Das sind gleichzeitig die großen Rüstungsfirmen, das sind die großen Ölfirmen, das sind die Firmen die, die militärischen Unternehmen mehr oder weniger an der kurzen Leine halten, auch da ist das ambivalent. Es wird am sogenannten Wiederaufbau profitiert. Jetzt müssen wir uns natürlich fragen, was ist eigentlich Wiederaufbau, darüber spricht niemand. Da werden Summen zur Verfügung gestellt, da wird etwas damit gemacht. Wenn wir überlegen dass beispielsweise im Irak die Infrastruktur, die Stromversorgung, die Wasserversorgung heute schlechter ist als vor zwei Jahren, nach zehn Jahren des fürchterlichen Embargos, dem durch Krankheiten, Unterernährung, verseuchtes Wasser mehr als eine Million Kinder zum Opfer gefallen sind, dann fragt man sich, was ist Wiederaufbau?
Dort wird gezielt nur das wiederaufgebaut, was unmittelbar für die Besatzung und für die Kriegsführung wichtig ist und für den Ölexport, der nicht funktioniert, weil der Widerstand permant die Ölleitungen doch wieder sprengt. Also Wiederaufbau ist eine sehr, sehr ambivalente Geschichte. Wenn sie an den Wiederaufbau im Nachkriegseuropa denken, dann war damals die amerikanische Philosophie: Wir müssen hier Arbeitsplätze schaffen. Wir müssen die Wirtschaft wieder in Gang setzen, weil bevor die Leute an Hunger sterben, sie vielleicht zu den Kommunisten abwandern. Das war eine andere Konstellation und die hat andere Antworten gefunden - Marshall Plan war eben etwas anderes. Gut, das war kapitalistischer Wiederaufbau, das muss man schon sagen, aber es war ein Wiederaufbau, der an den Bedürfnissen der Menschen orientiert war, also das Wort alleine sagt wenig."

"Es gibt den Stehsatz: Demokratien führen keine Kriege.
Das ist eine sehr umstrittenes Konzept. Es basiert darauf, dass einige Kollegen mal hingegangen sind und zusammengezählt haben und festgestellt haben, in der Tat, Demokratien führen untereinander keine oder kaum Kriege. Ob das jetzt die Staatsform ist, oder ob es nun daran liegt, dass unter diesen Demokratien sprich USA und Westeuropa 80 Prozent des Welthandels abgewickelt wird? Dass es innerhalb dieses Raums eine Kapitalverflechtung gibt, die es nie in dieser Form gegeben hat, das sollte man auch untersuchen, bevor man irgendwelche Kausalschlüsse zieht.
Diese Demokratien verhalten sich ja nach aussen aggressiver denn je, also es kann nicht an der Demokratie liegen, dass sie friedfertig sind. Ich glaube auch nicht, dass man Demokratie mit Militärstiefel exportieren kann. Wie glaubwürdig soll denn das Demokratiekonzept im Irak sein oder in Afghanistan, wenn man überlegt, dass alleine im Irak über 100.000 Zivilisten umgebracht worden sind, in diesem Krieg? Dass man diesen Krieg nur für die schönen braunen Augen der Menschen dort führt, um ihnen Demokratie zu bringen, das ist denen glaubhaft, mit dem was sie real erleben, nicht zu vermitteln, ganz im Gegenteil - das führt zu soviel Hass und Verzweiflung, dass Terroranschläge, sei es London, sei es Madrid oder sonst was, geradezu Anklang finden und unterstützt werden als Element von Rache - von dumpfer, blinder, wütender Rache."

"Es gibt ja globale Ziele der UNO, wann glauben sie können die real erreicht werden, sind sie umsetzbar?
Natürlich wäre das umsetzbar, es ist die Frage des politischen Willens. Es ist aber auch die Frage der ökonomischen Strukturen und der damit verbunndenen augenblicklichen Profitmöglichkeiten. Und um jetzt mal die Totschlagvokabel zu bemühen - das Kapital denkt nicht langfristig, sondern in kurzfristigen Profitmitnahmen. Es hat damit zu tun, dass wir unsere Wirtschaftsordnung ändern müssten, damit hat es zu tun."
Dr. Werner Ruf, Professor für Internationale Politik
Uni Kassel
wwww.werner-ruf.net 
Es lohnt sich, einen Blick auf seine Website zu werfen. Sie enthält  weitere wenig bekannte Informationen zu diesem Thema.
2. Ist ein Ausweg denkbar?
Welt-Zukunftsrat  - eine Vision oder bald mehr?
Visionen über eine mögliche Zukunft gibt es verschiedenste. Einen Organisationen übergreifenden Weg schlägt Jakob von Uexküll vor, der Stifter des Alternativen Nobelpreises. Sein Ansatz: ein Welt-Zukunftsrat, eine Institution, die kreative, an den Interessen der Menschen orientierte Ideen umsetzt.

Mehr über diesen Welt-Zukunftsrat ist zu finden auf:
www.worldfuturecouncil.org (in englisch, deutsch, spanisch abrufbar)
Diese Zitate sind ebenfalls aus der Website von 3Sat vom 1. 9. 2006
   
3. Quellen-Angaben zum Buch
Karin Bock-Leitert & Thomas Roithner (Hrsg.)
Der Preis des Krieges
Gespräche über die Zusammenhänge von Wirtschaft und Krieg


Verlag Monsenstein und Vannderdat, Münster Oktober 2007,
202 Seiten, mit 46 Schaubildern, Graphiken, Definitionen und Tabellen,
ISBN 978 - 3 - 86582-599-5
Euro 13,80 zzgl. Porto.

Beim Erscheinen konnte das Buch direkt bei Karin Bock bezogen werden. Vermutlich ist es auch jetzt noch lieferbar.
Im Buch heißt es  über den Film (45 Minuten Länge), daß er bei videoservice (at) orf.at als DVD für private Zwecke bestellt werden kann.

Bei Amazon heißt es zur Zeit (Februar 2009)  "Derzeit nicht verfügbar."
Dort wird über das Buch geschrieben:
"Fast eine Billion Dollar (genau 956 Milliarden) - im Jahr 2007 waren die weltweiten Militärausgaben so hoch wie zuletzt in den angespanntesten Phasen des Kalten Krieges. Und das bei einer sinkenden Zahl so genannter "hochgewaltsamer" Konflikte (nämlich 31, fünf weniger als im Jahr zuvor). Rund um Zahlen wie diese entspinnen sich im vorliegenden Buch elf "Gespräche über die Zusammenhänge von Wirtschaft und Krieg". Ein letztgültiger Preis, den die Menschheit für militärische Auseinandersetzungen aller Art berappen muss, lässt sich nach Lektüre zwar auch nicht abschätzen. Zu unterschiedlich sind die Berechnungsansätze, die Experten wie Jakob von Uexküll, der Stifter des Alternativen Nobelpreises, oder Friedrich Korkisch vom Österreichischen Institut für Außen- und Sicherheitspolitik, wählen. Dennoch bieten die Konversationen, die durch zweckdienliches Datenmaterial angereichert werden, eine Reihe von überraschender Einblicke in die Ökonomie der Gewalt, die bis weit in die zivile Wirtschaft hinein Wirkung zeigt."

Frau Karin Bock betreibt auch eine Website, auf der sie über ihre Arbeiten als Journalistin und  Dokumentarfilmerin informiert: Frameworx.
(www.Frameworx.at )
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