| 1. Kennzeichen einer Krise |
Was ist eigentlich eine "Krise", was sind "Krisenerscheinungen"? Viel zitiert, wenig verstanden ist die Bemerkung, daß bei den Chinesen das Schriftzeichen für "Krise" zwei Bedeutungen hat: die der "Gefahr" und die der "Chance".
Man kennt Lebenskrisen, Wirtschaftskrisen, Beziehungskrisen, auch in einer schweren Krankheit gibt es die Phase der "Krise": wenn die überstanden ist, geht es mit dem Menschen wieder aufwärts. An diesen Beispielen ist erkennbar, daß bei jeder Krise im Unterschied zu Tod bzw Untergang immer noch "ein Türchen offen" ist: die Möglichkeit, daß "alles wieder gut wird", ist gegeben.
Eines ist allen Krisen gemeinsam: der Körper bzw. das System, das von ihr befallen ist, kann so wie bisher nicht weitermachen. Tut er das, wird er "sterben", untergehen.
Eine Krise ist also immer ein Zeichen, etwas ändern zu müssen.
Krisen haben Ursachen, die genau analysiert werden müssen, will man verstehen, was da wie geändert werden muß, damit die Krise überwunden werden kann.
Wenn ich also schreibe, die Arbeit ist in einer historisch beispiellosen Krise, dann heißt das:
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Wir können so nicht mehr weitermachen! Wir müssen grundsätzlich umdenken und umorganisieren bei allen mit der Arbeit im Zusammenhang stehenden Fragen! |
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| 2. Arbeit als Basis der Menschwerdung |
Die Basis einer jeden Gesellschaft ist die Arbeit. Sie ist so sehr mit der Existenz der Menschheit verknüpft, daß Friedrich Engels einem kleinen Text diesen Titel gab: " Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen". Kurz gesagt: erst im Wechselspiel der Fähigkeit zu arbeiten (Entwicklung der Hand) mit der Fähigkeit zu denken und zu sprechen (Entwicklung des Gehirns) entwickelte der Mensch die Eigenschaften, die ihn von den (anderen) Tieren unterscheiden. |
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| 3. Unterschiede |
...zwischen Beschäftigung, Tätigkeit, Arbeit und Sich-Verkaufen (in Arbeit) |
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| 4. Arbeit in der Krise - die Anzeichen |
Die Anzeichen dieser Krise sind so allgegenwärtig und so vielfältig, viele von ihnen sind auch schon so lange vorhanden, daß ihre schleichende Verschlimmerung kaum wahrgenommen wurde.
Beispielhaft will ich einige dieser Krisenerscheinungen erwähnen:
1. Die weltweite Kinderarbeit ist erschreckend, sowohl in der Anzahl der betroffenen Kinder als auch in den konkreten Arbeitsbedingungen, unter denen sie gezwungen sind, zu arbeiten. Von einer "Arbeits-Kultur" kann hier nicht die Rede sein. Ihre beiden Extreme sind Kinderprostitution und Kindersoldaten.
2. Es wird immer schwerer, von seiner Hände Arbeit leben zu können.
Die gesellschaftlichen Bedingungen, ein selbständiges Leben auf der Basis eigener Arbeitsleistungen leben zu können, haben sich verschlechtert. Arbeitslosigkeit ist kein subjektives Schicksal mehr, dem man durch Engagement entfliehen kann. Rein statistisch fehlen dafür Arbeitsplätze bzw. zahlungskräftige Nachfrage. Arbeitslosigkeit schafft selbst neue Arbeitslosigkeit, weil die Sozialleistungen der Staaten entweder gar nicht existieren oder so gering sind, daß elementarste menschliche Bedürfnisse von den betroffenen Menschen nicht mehr befriedigt werden können.
Arbeitslosigkeit ist eines der größten, allgegenwärtigen und ungelösten Probleme der Menschheit schlechthin.
Arbeitslose, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben, werden als "faul" stigmatisiert - obwohl diese Faulheit eher als seelische Kranhkeit zu sehen und in den meisten Fällen nur eine Folge der falschen Organisation und Verteilung der Arbeit ist. Die wenigen "echten" Faulpelze fallen im Heer der mehr als 4 Millionen Betroffenen hier in Deutschland kaum auf und sind angesichts des Riesenausmaßes der Krise der Arbeit auch kaum erwähnenswert.
3. Die Verteilung und die Organisation der tatsächlichen Arbeit ist hochgradig uneffektiv.
Auf diesem Gebiet wird viel zu viel Aufwand betrieben. Subventionierung historisch veralteter Technologien oder Industriezweige (wie aktuell mal wieder erwähnt der Steinkohle-Bergbau in Deutschland) fressen die Arbeitsleistungen vieler anderer Menschen auf.
Der Aufwand der Arbeitsagenturen steht in keinem vertretbaren Verhältnis zu den tatsächlich erreichten Ergebnissen, noch weniger in einem vertretbaren Verhältnis zu den Erfordernissen.
Die Arbeitszeit und die Freizeit sind so ungleich und ungerecht verteilt, daß es zu sozialen Verwerfungen kommt.
4. Mangel an Arbeitsplätzen führt immer zu Schwarzarbeit.
Wo die legalen Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung und der Entlohnung von Arbeit unzureichend sind, bildet sich nach den Basisgesetzen der Marktwirtschaft (denen von Angebot
und Nachfrage) ein Schwarzmarkt für Arbeit heraus, der diejenigen, die sich daran beteiligen (also die Menschen, die arbeiten wollen und müssen und die anders, legal keine Arbeit finden konnten) kriminalisiert. Arbeit zu kriminalisieren ist eine der gefährlichsten Krisenerscheinungen der Gegenwart.
Der illegale Handel mit Waffen, Rauschgift usw. ist hierbei nicht gemeint. Diesen Handel kann man wohl schwerlich als "Arbeit" bezeichnen.
5. Die Arbeit ist nicht mehr "gesund", sie ist krank und sie macht krank.
Das Arbeitsklima selbst ist in vielen Bereichen immer menschenfeindlicher geworden. Die Menschen fühlen sich vielfach nicht mehr wohl in ihren Betrieben oder Arbeitsgruppen. Mobbing, Angst um den Arbeitsplatz und Arbeitshetze machen die Menschen "krank durch Arbeit".
Ein großer Teil des explodierenden Kosten für das Gesundheitswesen resultieren direkt aus dieser krankmachenden Arbeit. Es fragt sich, ob das Verhältnis zwischen dem Nutzeffekt der Arbeit und dem Schadenseffekt der Arbeit für das Leben der Menschen nicht bald "kippen" wird oder schon gekippt ist: durch Arbeit entstehen mehr Kosten für die "Reparatur der Arbeitskräfte", als diese Arbeitskräfte vorher an Nutzen produziert haben.
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6. Arbeit, eigentlich eine Kulturtat der Menschen, befindet sich gegenwärtig in einer fortschreitenden Phase der Barbarisierung.
Diese Barbarisierung ist auf verschiedenen Ebenen zu beobachten:
- Verlängerung der Arbeitszeit (der wöchentlichen und der Lebens-Arbeitszeit) bei einer so hohen Arbeitslosigkeit ist schizophren.
- Selbst mit überdurchschnittlich hohen Arbeitszeiten können vielen Menschen nicht mehr das Existenzminimum für sich und ihre Familie sichern.
- Die Arbeitsbedingungen insgesamt (Mobilitätsforderung, Anfahrtswege-Forderung, Unsicherheit des Arbeitsplatzes und einhergehende permanente Angst vor Arbeitsplatzverlust usw.) verschlechtern sich rapide.
- Die Perspektivlosigkeit vor allem junger, arbeitswilliger Menschen nimmt in erschreckender Weise zu.
- Die Krise der Arbeit betrifft alle Menschen, egal ob sie in Lohnarbeit, in selbständiger Arbeit stehen oder arbeitslos sind. Die Arbeit, die eigentlich Basis des Lebens ist, ist selbst Lebens-Risiko Nr. 1.
Selbst ein Bundeskanzler ist heutzutage nicht mehr sicher, seinen Arbeitsplatz die vertraglich vereinbarten 4 Jahre behalten zu dürfen. |
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7. Der sinkende Nutzeffekt der "Arbeit" bis hin zur Schädlichkeit
Jüngstes Beispiel ist wohl der "Gammelfleischskandal": Produzenten und Händler verkaufen verdorbenes Fleisch, Fleisch, das keinen Nutzeffekt hat.
Das Kriterium, das eine Arbeit von einer anderen Tätigkeit unterscheidet, ist jedoch der "Nutzeffekt":
Beispiel: Sand auf einen Haufen zu schütten, damit er von dort aus als Baumaterial verwendet werden kann, hat einen "Nutzeffekt", Sand ständig von einem Haufen auf den anderen und wieder zurück zu schippen, ist auch "Arbeit" - jedoch nur im physikalischen Sinne. Da der Nutzen fehlt, ist eine solche Betätigung " sinnlose Arbeit" - ein Widersinn in sich, denn eine Arbeit ohne Nutzeffekt ist im ökonomischen Sinne keine Arbeit.
Drückerkolonnen von Jugendlichen, die ahnungslosen Bürgern Zeitschriftenabos aufschwatzen, zunehmend aggressivere Formen der Werbung bis hin zu den berüchtigten Call-Centern, die Bürger mit Telefonangeboten belästigen usw. sind einige der Beispiele.
Schluderei, Betrügerei, Schwarzarbeit, Pfusch, betrügerische Geschäfte bringen viel Geld ein.
Gefährlicher, sinnlose und verbotene Dinge - Rauschgifte, gewaltverherrlichende Filme, süchtig machende Computerspiele, aggressive Werbung - nehmen Überhand.
Das alles erhebt die Frage nach Nützlichkeit und Schädlichkeit von Arbeit zu einem nur noch politisch lösbaren Problem. Doch die Politik nimmt es gar nicht zur Kenntnis: "Arbeit um jeden Preis" - koste es, was es wolle und ohne Frage nach Nutzen lautet das politische Konzept. |
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8. Das albernste Possenspiel dieser Krise ist der Kampf der Gewerkschaften gegen den Abbau von Arbeitsplätzen.
Die Proteste, Streiks und Statements zeigen nur eines: die Gewerkschaftsfunktionäre haben nichts begriffen seit der Zeit der Maschinenstürmer: es geht nicht um die Verhinderung technischer Neuerungen, es geht um die soziale Nutzung der modernen Arbeitsproduktivitätssteigerung:
Arbeitszeitsenkung z. B. wäre schon längst überfällig - doch die Forderung aus den Anfängen der Gewerkschaftsbewegung:
"Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit, acht Stunden schlafen."
haben diese Leute wohl vergessen: Überstunden und lange Anfahrtswege reduzieren Freizeit mitunter so weit, daß die einfache Reproduktion der Arbeitskraft nicht mehr gegeben ist!
Die Selbstausbeutung der kleinen Selbständigen, die z. T. mehr als 60 Stunden in der Woche arbeiten und auf einen effektiven Stundenlohn von u. U. weniger als
3 Euro kommen, interessiert in diesem "Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze" niemanden. Wer vertritt in den modernen Arbeitskämpfen deren Interessen?
Der Gipfel der Albernheit war erreicht, als Gewerkschaftsvertreter sich gegen die Reduzierung von Arbeitsplätzen in Krankenkassen aussprachen.
Ich kann es auch an folgenem Vergleich festmachen:
Wenn von 10 000 Autobauern durch neue Trends, Bedarfssättigung und vor allem weitere Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Autoindustrie nur noch 8000 benötigt werden, kann man nicht gegen die Entlassung der anderen 2000 streiken. Das Unternehmen KANN NICHT ANDERS als sie zu entlassen, bei Strafe seines Untergangs und nach allen Regeln der Marktwirtschaft (und sogar denen der sozialistischen Planwirtschaft!).
Die Frage ist, in welcher Form - sozialverträglich oder existenzvernichtend - diese Entlassungen bzw. Neuorientierungen auf dem Arbeitmarkt erfolgen und wie die Risiko- und Kostenverteilung dabei aussieht.
Es wird immer (!) Umstrukturierungen der Wirtschaft geben, die mit Entlassungen aus dem einen Bereich einhergehen und mit der Schaffung von Arbeitsplätzen in anderen Bereichen.
Das heutige Problem ist viel, viel schlimmer noch:
1000 Industriearbeiter freizusetzen ist Ergebnis eines objektiven Trends der Industrieentwicklung. Demgegenüber ist die "Wegrationalisierung" auch nur eines Arbeitsplatzes in der Volksbildung oder im sozialen bzw. kulturellen Bereich
eine Katastrophe für die ganze Gesellschaft: denn letzteres bedeutet immer auch Verlust an Lebensqualität für andere Menschen.
Am Rande bemerkt: die durchschnittliche Zahl der Schüler pro Schulklasse ist in den vergangenen 40 Jahren etwa gleichgeblieben. |
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Die Kehrseite der übervollen Klassen titelte die MZ vom 11. Februar 2009 auf ihrer Seite 18 so:
"In Nachhilfe-Gruppen sollten höchstens fünf Schüler sitzen"
Und warum werden nicht gleich nur Schulklassen mit maxima 15 Schülern zugelassen? Nachhilfe für Reiche - Dummheit für arme Kinder? |
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| 5. Arbeit in der Krise - die Ursachen |
(in Arbeit) |
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| 6. Das Ziel der Arbeit und die Entfremdung des Menschen von der Arbeit |
(in Arbeit) |
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